Irgendwie hatte ich den kurzfristigen Termin in einem Lokalblatt aufgeschnappt – und so saß ich gestern Abend doch noch im “Unterbräu” in der Info-Veranstaltung zur Aufnahme der nächsten Flüchtlinge in unserem Luftkurörtchen. Trotz knappster Ankündigung waren es immerhin wohl mehr als 75 Zuhörer, die abchecken wollten, ob ihre Hilfe gebraucht wird, oder die sich einfach erst einmal nur informieren wollten.

Die Informationen kamen dann auch von lokal höchster Stelle: Landsbergs Landrat Thomas Eichinger (CSU), Diessenes Bürgermeister Herbert Kirsch (Dießener Bürger), Ausländerbehörde, BRK und – natürlich! – Michaela Kanzler vom Netzwerk Asyl Ammersee-West: Alle waren beisammen.

Top-News: Am Montag, 16. Februar, nehmen wir in Diessen weitere 50 Flüchtlinge auf. Sie werden in vier Häusern des ehemaligen Therapiezentrums Bischofsried untergebracht, die der Landkreis Landsberg/Lech gemietet und “bereit zur Belegung” (O-Ton) entsprechend ausgestattet hat. Erwartet werden vor allem männliche Asylbewerber und wohl auch vereinzelte Familien.

Am Mittwoch darauf, 18.02., will die für Bischofsried zuständige BRK-Verantwortliche, Karla Schönebeck, mit ihrer Kollegin, der Sozialpädagogin Zahlmeyer, interessierten Diessenern vor Ort die “Erstaufnahmeeinrichtung” zeigen und dabei konkrete Informationen geben, welche Hilfen gebraucht werden. Das macht Sinn, denn erst mit der Ankunft der Gäste werden wir wissen, wer zu uns kommt, was konkret benötigt wird. Also, hilfsbereite Diessener, bitte vormerken: 18.02., 18.30 Uhr, ehem. Therapiezentrum Bischofsried, Informationsveranstaltung.

Im “Unterbräu” gab es gestern einige interessante Informationen. Landrat Eichinger berichtete von derzeit 545 Asylbewerbern in 40 Unterkünften im Landkreis. Er erwartet bis Ende 2015 1.070 Flüchtlinge. Der Landkreis habe die finanziellen Mittel zur Betreuung und Unterkunft von 50.000 EUR im Vorjahr auf inzwischen 300.000 EUR aufgestockt. Gestern Abend habe ich erstmals wahrgenommen, dass es im Landkreis sogar einen Winter-Notfall-Plan gibt. Der sieht u.a. vor, dass bei unerwartet angewachsenem Bedarf an Asyl-Unterkünften im Winter auch die Diessener Mehrzweckhalle als Unterkunft genutzt werden müsste.

Gestern Abend stellten die Zuhörer, die ich allesamt als positiv eingestellte und hilfsbereite Diessener wahrgenommen habe, viele Fragen. Vor allem ging es um klare Organisations- und Informationsstrukturen und immer wieder um Fragen des Asylrechts. Deutlich geworden ist, dass bei uns schon viele ehrenamtliche Helfer tätig sind (wovon man in der Öffentlichkeit nicht genug berichten kann!), und dass auch viele weitere Helfer gebraucht werden. Diese sollen z.B. bei der persönlichen Betreuung der Gäste als so genannte “Paten” mithelfen oder auch Projekte mit den Flüchtlingen organisieren. Dabei ist die Themenpalette sehr groß: vom Deutsch-Unterricht – hier gibt es wohl den größten Bedarf! – über sportliche und andere Betätigung etwa in Vereinen bis hin zu Handwerks- oder Kochkursen. Hier sind Ideen und Vorschläge gefragt.

Hakelig erschien mir die Kommunikation. Wo gibt es kurz und knackige Informationen? Wer ist in welchem Fall der richtige Ansprechpartner? Wie soll z.B. künftig mit Fragen, aber auch mit den heute so gefragten Ideen und Vorschlägen konstruktiv umgegangen werden?  – Ob für ehrenamtliche Helfer, potentielle Unterstützer oder wissbegierige Bürger: Informationen sollten leicht auffindbar und für jedermann verständlich und praktikalbel aufbereitet auf den Websites von Landkreis wie Marktgemeinde zur Verfügung stehen. Ansprechpartner müssen per Klick auffind- wie ansprechbar sein. Die reichen Erfahrungen und das Knowhow der Ehrenamtlichen wie Professionellen muss Neulingen wie Interessenten zur Verfügung gestellt werden… Und das sehr rasch.

Eine Kriminalstatistik in eigener Sache hat dieser Tage die Polizei unserer nordwestenglischen Partnerregion veröffentlicht. Laut “The Westmorland Gazette” wurde die lokale Polizei in Cumbria seit 2005 um 34 Gegenstände im Gesamtwert von £8,479.98 beklaut. Heiß begehrt waren Handschellen, Blaulichter und sogar Laser-Pistolen zur Geschwindigkeitsmessung. Solch eine speed gun etwa soll immerhin £2,500 kosten. Ein Polizeisprecher wird mit den Worten zitiert, das Diebesgut – insbesondere die Ausrüstung zur Geschwindigkeitsüberwachung – hätte keinen praktischen Nutzen für die Langfinger außerhalb der Polizei. – Na, wenn der Constabler da mal nicht auf einer falschen Fährte ist…