Einmal im Monat veranstalten wir im Ammersee Denkerhaus das so genannte Schnupperma(h)l. Vorzugsweise Nutzer und Freunde unseres Coworking-Spaces stellen dabei öffentlich sich und ihr Arbeitsgebiet vor. Gestern Abend stand das Thema “lokale Pressearbeit” auf dem Programm, das wieder 20 Zuhörer angelockt hatte. Gemeinsam mit Alois Kramer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Ammersee Kuriers, habe ich in einem Impulsvortrag ein paar Tipps gegeben, wie Selbständige, aber auch Vereine und politische Gruppierungen, in Lokalmedien landen können.

Kramers Einblicke in die Arbeit der “kleinsten Zeitung Deutschlands”, viele interessante Nachfragen und am Ende immer wieder Lob ließen das Schnupperma(h)l auch für mich als Co-Referent zu einem schönen Erlebnis werden. Danke, Alois Kramer, für die Zusammenarbeit, Danke, liebe Gäste, für Euren Besuch und die Anerkennung!

screen schnuppermahl presse

Wem ständig wenig Beachtung geschenkt wird, dem blüht meist die wenig schmeichelhafte Bezeichnung “Mauerblümchen”. – Das fiel mir gerade ein, als ich dieses Bild in Lachen machte und an das kommende Schnupperma(h)l im Ammersee Denkerhaus denken musste.

mauerbluemchen

Stark, schön, beachtenswert … und doch kaum wahrgenommen von den lokalen Medien, fühlen sich oft ganz unterschiedliche Akteure: Selbständige, Kleinunternehmer, aber auch Vereine und Gruppierungen.

Am Donnerstagabend (10. Juli, 18.30 Uhr) befasst sich das nächste Ammersee Denkerhaus Schnupperma(h)l mit der Frage, wie denn Zugang zu den Lokalmedien gefunden werden kann. Infos gibt es aus allererster Hand, denn der Chefredakteur und Geschäftsführer des “Ammersee Kuriers” wird buchstäblich aus dem Nähkästchen plaudern; wie seine Redaktion in der Dießener Fischerei arbeitet, wie diese ganz ungewöhnliche Zeitung zweimal in der Woche gemacht wird, wie aus der Flut von Informationen ausgewählt wird…

Ich werde in dem Vortrag die andere Schreibtischseite einnehmen und erklären, wie Lokalmedien-Arbeit zu planen ist, wie mit Redaktionen gut zusammenzuarbeiten geht, wie man eine gute Nachricht schreibt. Gemeinsam wollen wir den Vortrag praxisnah gestalten, wollen zu Fragen und gerne hitzigen Diskussionen anregen. Vielleicht bleibt am Ende im Denkerhaus auch noch Zeit, über die Zukunft der Lokalmedien – insbesondere der gedruckten – nachhzudenken.

Auf alle Fälle aber soll das Schnupperma(h)l helfen, dass unsere Zuhörer mit ihrer lokalen Medien-Arbeit nicht (mehr) gegen Mauern rennen.

 

TageszeitungGerade habe ich auf dem Medien-Portal kress einen interessanten Beitrag gelesen, der sich mit den Fragen beschäftigt, warum die Auflagen der Tageszeitungen sinken und sinken und sinken, und was es für Handlungsoptionen der Verlage gibt. Es ist schon viel darüber geschrieben worden, aber hier lockt eine Anfangsthese näher hinzuschauen: Die Konkurrenz durch Online-Medien sei nur ein “nachrangiger Grund” für den Niedergang der Auflagen gedruckter Zeitungen.

Das ist die überraschende These von Prof. Andreas Vogel, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung in Köln. Statt dem üblichen “das Internet ist schuld!” hebt der habilitierte Kommunikationswissenschaftler und außer planmäßige Professor an der Universität Bamberg aus einem “ganzen Strauß von Faktoren” die fehlende Kaufkraft und die mangelnde Produktdifferenzierung als die beiden wichtigsten Ursachen für die Talfahrt der Tagespresse hervor.

Bemerkenswert, dass in unserer heilen Welt für viele Haushalte die Tageszeitung zum unbezahlbaren Luxusgut und dort andere Konsumwünsche wichtiger geworden sind. Prof. Vogel meint, unsere Gesellschaft spreize sich: “Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer.” …

Es folgen weitere interessante Gedanken. Etwa zum Medien-Nutzungsverhalten der Menschen: Smartphones und Tablets würden nicht vorrangig gekauft, um online Nachrichten zu lesen, sondern im Sinne der Individualkommunikation um mit Freunden, Bekannten zu kommunizieren.

Noch ein Highlight: “Die meisten Zeitungsverleger nagen auch heute nicht am Hungertuch”, und: “Wenn sie die Auflagenverluste stoppen wollen, werden sie günstigere Tageszeitungen anbieten müssen.” …

Am spannnendsten finde ich die Überlegungen zur “Produktdifferenzierung” der Tageszeitungen. Prof. Vogel plädiert für Experimente, wie etwa neben der “Einheitszeitung” drei, vier Variationen davon anzubieten, z.B. dünnere und damit billigere oder nach Themen differenzierte; z.B. mit oder ohne Lokalsport. Auch wenn solche Ansätze mit Online-Ausgaben technisch wohl am praktischsten umsetzbar wären, sieht Vogel überraschend gerade hier Vorteile für Print-Ausgaben: Leser wollen, dass ihnen etwas vorgelegt wird, meint er. Da gebe es bei Online-Ausgaben Hindernisse: leseunfreundlich seien oft nicht nur PDFs, sondern auch längere Texte auf dem Smartphone. Auch diese Einschätzung teile ich.

Am kommenden Donnerstag nun, dem fußballfreien 10. Juli, 18.30 Uhr, haben wir einen Lokalzeitungsmacher beim Ammersee Denkerhaus Schnupperma(h)l zu Gast. Alois Kramer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Ammersee Kuriers, hält mit mir den Impulsvortrag, wie Selbständige und Kleinstunternehmer Eingang in Lokalmedien finden können. Kramer wird vom Arbeitsalltag einer Lokalredaktion erzählen, während ich durch die Brille des PR-Beraters ein paar Tipps gebe, wie man gut mit den Kollegen in Redaktionen zusammenarbeitet und wie man eine gute Nachricht verfasst. Sicher wird es beim Schnupperma(h)l viele Fragen und lebendige Debatten geben. Die Zukunft von Lokalzeitungen könnte ein Thema sein.