Dieser goldene Herbst lädt zum Spaziergang ein. Aufmerksamen Beobachtern wird dabei auffallen, was noch so alles blüht in unserem Luftkurörtchen. Massenhafte Verkehrszeichen sind nicht nur Dauerblüher, sie sprießen bei uns auch an ganz verblüffenden Stellen. Hier zum Beispiel das “Vorschriftszeichen 209-30 vorgeschriebene Fahrtrichtung – geradeaus”, das wohl auch den verwirrtesten Lenker davon abhalten soll, am Bahnübergang Birkenallee in St. Alban von der Straße auf die Schiene zu wechseln.

Habt Ihr auch solche Schnappschüsse? Ich stelle sie gerne hier im MOOSBLOGGER vor.

Was soll man bloß tun, wenn sich einige Autofahrer partout nichts von den Verkehrszeichen sagen lassen? – Man entfernt das ignorierte Verkehrzeichen. Und stellt ein neues auf.

So beschlossen am Montagabend in der Gemeinderatssitzung unter Tagesordnungspunkt 1 “Verkehrsrechtliche Anordnung zum Befahren der Seeanlagen”.

Der Situation in den Seeanlagen ist man nie so richtig Herr geworden. Das Verkehrszeichen (Zeichen 260) “Verbot für Kraftfahrzeuge aller Art” wird immer wieder missachtet. Diese gängige Insubordination wurde wohl auch von einer Flut erteilter Sondergenehmigungen beflügelt, deren Gesamtzahl der Bürgermeister auf insgesamt “weit über 900″ bezifferte.

Um die grassierende Ignoranz nun doch noch in den Griff und die Seeanlagen automobilfrei zu kriegen, griffen unsere Räte tief in die Trickkiste: Erstens werden die Sondergenehmigungen wohl nicht mehr ausgestellt (was auch zu Einnahmeverlusten im Kurortgeldsäckel führen dürfte, denn für die Erteilung wurden bislang Gebühren erhoben); zweitens wird das alte Verkehrsschild durch ein anderes ersetzt: durch das Vorschriftszeichen 239 “Fußgänger”, das die “Zweckbestimmung des Straßenteils als Gehweg” klar machen soll. (Laut Beschluss wird es ergänzt durch ein Zusatzzeichen “Radfahrer frei”).

Dass der Schildawechsel den erhofften Erfolg bringen wird, dafür würde die kommunale Verkehrsraumüberwachung sorgen sollen, hieß es: Verstöße könnten mit empfindlichen Geldbußen (30 EUR…) geahndet werden, dieser Betrag würde schnell abschrecken. Müßig zu fragen, ob denn nicht die Einhaltung der Vorschriften des alten Schildes mit Sanktionen durchgesetzt wurde bzw. warum jetzt plötzlich Verkehrszeichen beachtet werden sollen.

Schaun wir mal! Im unwahrscheinlichen Fall, dass dieser Vorstoß verpufft, habe ich einen noch härteren Vorschlag: Wir tauschen Schild “Fußgänger” gegen Zeichen 274 “Zulässige Höchstgeschwindigkeit” aus, auf das wir eine Null schreiben; dahinter postiert sich die kommunale Verkehrsraumüberwachung mit einem Tempomessgerät und einer Handkasse…

So ließen sich die Erträge noch deutlich steigern – und der erzieherische Effekt wäre umwerfend.

100_1745 Ich werde hier nicht die kürzlich qualitätsmedial geführte Debatte, ob alte Verkehrszeichen eigentlich gelten oder nicht, nicht aufwärmen.
Diesen Beitrag widme ich meiner neuen Rubrik “Dießener Schilder-Bürgereien“.
Zum diesjährigen Töpfermarkt wurde dieses Schild in die Seeanlagen gepflanzt und vermutlich haben es die Autofahrer – auch angesichts der trotz Mistwetter zahlreichen Marktbesucher – beachtet; obwohl seit der Rechtschreibreform von 1996 und ihren Nachbesserungen von 2004 und 2006 zumindest die Schreibweise wohl so nicht mehr gilt.

Wer offenen Auges das Luftkurörtchen durchstreift, der kann immer mal wieder ganz erstaunliche Bürgerschilder entdecken. Das hat mich nun veranlasst, im MOOSBLOGGER eine neue Kategorie “Dießener Schilder-Bürgereien” einzuführen. Heute veröffentliche ich in dieser Rubrik ein ganz aktuelles Werk aus der Dießener Buzallee.
2010-05-09 11.07.56
Wer ähnlich eindrucksvolle Schilder-Werke findet, kann diese mir gerne zur Veröffentlichung vorschlagen.

Protest muss korrekt sein. Ist das nicht die wesentlichste Erkenntnis von Heiligendamm? – Politisch korrekt. Demonstrationstechnisch korrekt. Medienmäßig korrekt. Genehmigungsrechtlich korrekt….

Hundescheisse

Und grammatikalisch! – Wie dieses neueste Transparent in der Birkenallee, mit dem erneut gegen die scheinbar unlösbare Hundehaufenplage protestiert wird. “Entfernen Sie Ihres Hundes-Scheiße selbst!” ruft es dem passierenden Wanderer zu. Mit und ohne Hund. Mich beeindruckte das grammatikalische Aufbäumen: “…Ihres Hundes-Scheiße” – dufte! (Perfekt wäre es allerdings ohne Bindestrich.) Der Spruch erinnert mich ein bisschen an “Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“: “Der Haufen ist dem Hund sein Schiss”… Hoffentlich sind der Hunde Halter des Lesens kundig und des Einsehens fähig.