Internet-Skeptiker – leider auch in der Kommunalpolitik – pfeifen immernoch auf Blogs wie den MOOSBLOGGER: Dort würde ja sowieso nur Unsinn geschrieben, den niemand liest und der natürlich auch niemanden interessieren braucht. Dass sie damit weiterhin auf dem Holzweg sind, hat die jüngste Diskussion hier im MOOSBLOGGER gezeigt, die wir anlässlich der Schließung von zwei Diessener Restaurants führen. Für die hochinteressanten, sachlichen wie engagierten Kommentare, exklusiv im MOOSBLOGGER, möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken!

Das gleichzeitige Aus der Restaurants “3 Rosen” und “kultcafé” (inzwischen hat auch das “Wengen 28″ per Facebook das Ende seines Restaurantbetriebs angekündigt) hatte ich hier zum Anlass zur Ursachenforschung genommen. Zu hohe Pachten, gesättigter Markt, Geiz-ist-geil-Kunden, denen heimische Betriebe schnurz sind, saisonal extrem schwankende Auswärtsgästezahlen, tödlich lange nebensaisonale Durststrecken, gemeindliche Wirtschaftspolitik – waren meine Vorschläge zur Ursachenbenennung. In den Kommentaren kamen bemerkenswerte Meinungen sowie weitere Impulse hinzu, die ich hier gerne einmal zusammenfasse.

So weist @Eisenkolg Gerhard darauf hin, dass das Nichtbemühen des Luftkurorts Diessen um Ganzjahrestourismus gastronomisch natürlich von großem Nachteil sei. “Schon alleine die Verweigerung der Ganzjahresschifffahrt sagt alles.” Er sieht den von mir positiv bewerteten Umbau der Mühlstraße und des Bahnhofs weitaus kritischer: “Was aber soll der Umbau der Mühlstrasse und des Bahnhofes, so wie erfolgt, touristisch bringen? Nichts Halbes und nichts Ganzes ist der Umbau. Nur weniger Parkplätze aber trotzdem keine “Kurzone”! Eine Post im Bahnhof aber dafür keine touristischen Attraktionen.” Er schlägt Investitionen in die touristische Infrastruktur, z.B. in eine Kunsteislaufbahn und in ein Ganzjahres(frei)bad vor. Weitere Ideen sind Skilanglauf um die Schatzbergalm und der Schacky-Park auch im Winter als attraktives Ziel. Zustimmung beim Thema hohe Pachten: “…Lokale und Hotels (werden) verpachtet zu Preisen von denen die Verpächter sehr gut auch ohne zu arbeiten leben könnten. Nur die Pächter können das bei den Preisen nicht: Denn die Höhe der Pacht entspricht lustigerweise in etwa die Höhe der Rendite die man mit so einem Lokal erwirtschaften kann.”

Jung-Gemeinderat der FREIEN WÄHLER, @Zapp, meint hingegen: “Unterm Strich wirds immer so sein: Es gibt welche, die könnens einfach, und es gibt welche, die könnens einfach nicht, ein kleiner Prozentsatz muss ggf. mit Widrigkeiten zurecht kommen die man nicht planen kann (z.B Krankheit). Aber es gibt auch genügend positive Beispiele in Dießen. Gaststätten, Restaurants und Lokale die seit Jahren und Jahrzehnten gut gehen und beliebt sind.” @Zapp stimmt zu: “Klar hilft es allen, wenn wir unsere einheimischen Unternehmer (nicht nur in der Gastro) unterstützen und in einem heimischen Laden anstatt in einem Großmarkt einkaufen, einen ortsansässigen Handwerker beauftragen, als einen auswärtigen, etc.” Er legt abschließend Wert auf die Bemerkung: “Aber die unternehmerische Fähigkeit des Einzelnen muss natürlich vorhanden sein.”

Das in meinem Blog-Beitrag angesprochene Thema, die Probleme bei der Wurzel zu packen und einen Konsens im Luftkurörtchen zu erarbeiten, wohin sich Diessen eigentlich entwickeln soll, wird in Kommentaren ebenfalls aufgegriffen. @Marc Schlüpmann schreibt: “Auch hier wieder die Frage, die sich wie ein roter Faden durch die jüngere Geschichte Dießens zieht und die noch immer nicht beantwortet wurde: Wohin soll sich Dießen entwickeln? Was sind die Ziele?”

Der langgediente Bayernpartei-Gemeinderat @Michael Hofmann meint zu dem von mir begrüßten einstimmigen Beschluss unseres Gemeinderats, ein Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (ISEK) zu erstellen und damit einen Grundkonsens zur Entwicklung im Luftkurörtchen zu schaffen, kritisch: Das ISEK sei für ihn “eine Ansammlung von unverbindlichen Allgemeinplätzen”. “Da ist kaum was Brauchbares für Dießen dabei.”

Relativierende Töne steuerte als “Außenstehender” mein #Schondorfer Blogger-Kollege @Leopold Ploner bei: Er habe nicht den Eindruck, dass Diessen generell veröden würde: “Ich sehe eine vielfältige gastronomische Szene und auch einige lokale Initiativen, um die wir euch beneiden (z.B. Wochenmarkt, Denkerhaus, Unikat, Gewerkhaus…).”

(Ergänzung vom MOOSBLOGGER am 15.03., 10 Uhr: In ihrem Kommentar vom 14. März, der erst einging als ich diesen Beitrag schon veröffentlich hatte, lenkt @Scholl die Debatte in eine andere, beachtenswerte Richtung: Sie bricht eine Lanze für Mieter und sich abmühende Pächter, plädiert für verantwortliches Eingreifen der Gemeinderäte und für nachhaltiges Handeln der Haus- und Grundbesitzer.)

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Kommentare

20 Kommentare zu “Das ist Pflichtlektüre”

  1. -Zap- on März 14th, 2015 22:57
  2. Leopold Ploner on März 15th, 2015 17:23

    Ein schönes Beispiel dafür, dass Diskussion im Internet nicht immer gleich Shitstorm sein muss, sondern dass auch vernünftig und sachlich argumentiert wird.
    Jedes Blog hat die Leser, die es verdient. Weiter so, Hannes.

  3. -Zap- on März 15th, 2015 22:38
  4. Ralf Kleeblatt on März 18th, 2015 23:08

    Was ist denn gegen einen Internet-Skeptiker einzuwenden? Ein skeptischer Betrachter des Internets zu sein, verstehe ich eher als Auszeichnung. Wenn der vermeintliche Skeptiker sich auch noch als ein kritischer Betrachter des Internets versteht, ist es genau die richtige Mischung
    Mannomann, warum wird hier so pauschalisiert und jegliche Skepsis diskreditiert? Schon alles vergessen??:
    – NSA Spitzlelleien,
    – Deutsche (DDR)Vergangenheit
    – Vorratsdatenspeicherung
    – Big Brother is watching you
    Gerade das 2.0 sollte m. E. immer in der Gesamtheit betrachtet werden. Nur mit Hochjubeln wird man der real vorhandenen negativen Seite des Internets kaum gerecht. Ist es also wirklich die ach so tolle Errungenschaft unserer heutigen Zeit? Liebe Blogger-Gemeinde, wendet doch das „Denkerhausprinzip“ an. Setzt euch gemeinsam an einen Tisch und redet euch die Köpfe heiß, spinnt Ideen und entwickelt Handlungsstrategien. Dazu dann in guter Denkerhaus Manier einen leckeren Cappuccino schlürfen. Ist das nicht viel verlockender? Die hier versammelten Meinungsvonsichgeber sitzen doch fast in Blickweite zueinander. Nein, statt zu reden, wird lieber geschrieben. Dieses hin und her Geschreibsel ist doch völlig ineffektiv und verläuft meist im Sande oder im Frust. Gerade die sozialen Netzwerke wie Facebook und Konsorten, stellen sich doch meist als ein Sammelsurium an Unverbindlichkeiten dar. Setzt euch also an einen „offenen runden Tisch“ und macht ruhig mal wieder „face to face“ Übungen! Das erspart das Bloggen aus dem Homeoffice. Heißt es nicht: Raus aus dem Homeoffice, rein ins Denkerhaus??? In Anbetracht der Anzahl der hier Beteiligten reicht doch vielleicht sogar ein ziemlich kleiner Tisch.
    In Dießen gibt es viele kritische Geister, die es sich zu recht nicht antun würden, hier zu posten. Das muss sich auch niemand antun, auch wenn man sich damit auf dem “Holzweg” befinden sollte! Also, die (Moos)Bloggerei bitte nicht dermaßen hochjubeln und als „Stein des Weisen“ betrachten, schon gar nicht zur Pflichtlektüre erheben! Weniger ist manchmal mehr………

    Und dann auch noch zu meinem Thema: Jugend
    Hier wird die Bürgerbeteiligung postuliert. Hervorgehobene Beteiligung von Jugend (ist ja unserer aller Zukunft) findet auch hier nicht mal ansatzweise eine Erwähnung. Bürgerbeteiligung hat es schwer. Jugendbeteiligung ist sogar aus allen (besonders den grünen und den roten)Hinterköpfen verschwunden.
    Schade, schade, schade…….

  5. Eisenkolb Gerhard on März 19th, 2015 10:50

    hallo Herr Kleeblatt, ihr Engagement für die Jugend ist ja begruesenswert. Ist ja auch ihre Profession. Aber die würden zum Cappu ins Denkerhaus auch nicht kommen! Aber eines ist klar: Hier wird 24 Stunden gebloggt und kommentiert. Das kann man beim Cappuccino nur machen wenn mir mal alle im Seniorenwohnheim zusammenkommen.
    Und Pflichtlektüre ja. Der Moosblogger ergänzt zumindest das was im AK nicht steht.
    Dafür mein herzliches Dankeschön.

    ……

  6. Ralf Kleeblatt on März 19th, 2015 11:52

    Und hier offenbart sich die ganze Schwäche des Geschreibsels. Mit soner Antwort würden Sie im “wirklichen Leben” nicht davon kommen. Also, es spricht doch alles für die “face to face” Übung. Hier bleibt es bei einem hinundher Geschreibsel und jeder kann sich an seinen “Ergüssen” erfreuen. Nur, so wird es sicherlich nicht voran gehen. Das Bloggen scheint mir eine weitere, wenig sinnmachende Freizeitbeschäftigung!

  7. Eisenkolb Gerhard on März 20th, 2015 11:34

    Noch etwas zu den Vorschlägen von Herrn Kleeblatt:

    1. Geredet wird schnell was.
    2. Was schreibt,bleibt.
    3. Ein Blog ist kein Aktionsbündnis,
    hier werden unterschiedliche
    Ansichten kommuniziert.
    4. Hier diskutieren auch Nicht-Blogger
    mit wie Sie und ich.
    5. Das was Sie vorschlagen
    entspricht mehr einem
    Stammtisch.
    6. Wer trägt dann die Ergebnisse und
    wie nach aussen.
    7. Fazit die einzelnen Ideen und
    Ansichten verblieben dann genau
    wieder im Verborgenen.
    8. Ziel eines Blogs ist diese
    aber transparent zu machen.

  8. Ralf Kleeblatt on März 21st, 2015 09:03

    Schön und gut, aber:
    1) Auch für einen Blog sollte gelten:
    “Entscheidend ist was hinten heraus kommt” (Helmut Kohl).
    2) Was ich heute lese, ist morgen vergessen.
    3)Aha, ein Blog muss also das sein, was es sein muss? Und, was kommt nach einem Blog?
    4)”offener runden Tisch” heißt: offen für Alle!
    5)Dann fällt das Denkerhaus also in die Kategorie Wirtschaft? Und: Blog als virtueller Stammtisch!
    6)Da stößt also die Phantasie an ihre Grenzen?
    7)Na, wie wäre es denn mit nem Live-Stream?
    8) Wirklichkeit schlägt Transparenz:
    Raus aus dem Blog, rein in die Wirklichkeit!

  9. Eisenkolb Gerhard on März 21st, 2015 12:10

    @ Ralf Kleeblatt:
    Und warum schreiben Sie dann hier?
    Bzw. zu allererst warum lesen den Blog?
    By the way erinnere ich mich gerade an ihren Kommentar in der Ammerseeplatform 2020:
    Hier haben Sie die Teilnahmne
    an solchen Aktionsrunden in Frage gestellt.
    Hier haben Sie die Teilnahmen an den Face-To-Face Diskussion bei den Veranstaltungen abgelehnt.
    Kurioserweise mit fast identischen anmutenden Begründungen.

  10. Michael Hofmann on März 21st, 2015 13:36

    ich verstehe überhaupt nicht warum der Stammtisch immer von Menschen verachtet wird die noch nie an einem hier gesessen haben.geschweigeden sich dort auch noch durchgesetzt haben.der Stammtisch ist eine ur basisdemokratische Einrichtung. Wer in Bayern nicht Stammtisch fest ist wird sich als GR kaum durchsetzen.

  11. Eisenkolb Gerhard on März 21st, 2015 14:45

    Also die Ausführungen von Herrn Kleeblatt treffen voll und ganz zu aber beim GEMEINDERAT! Vor allem Life-Stream gefällt mir hier ganz gut. Und das aus den Worten eines Internet-Skeptikers.

  12. Ralf Kleeblatt on März 21st, 2015 14:47

    Warum schreibe ich:
    Kennt doch bestimmt jeder hier:
    “so jetzt reicht es, jetzt wird mal Dampf abgelassen”.

    Nein, ich habe absolut nicht meine Teilnahme abgelehnt. Ich habe dafür nur Voraussetzungen genannt und die sind bis heute nicht erfüllt. Hier nochmal mein Originaltext:

    “Ich vergaß auf Deine Offerte der Mitarbeit einzugehen. Eine Mitarbeit meinerseits würde es erst dann geben, wenn es einen eigenständigen Titel “Jugend”, als eigenständigen “Bürgerworkshop” geben würde. Nur so würde man der “Jugend” mit der notwendigen Aufmerksamkeit und Wichtigkeit gerecht werden können”.

    Das Thema “Jugend” ist mir nun mal zu wichtig, als dass ich es nur unter fernerliefen behandelt wissen will.
    Das ist schon zu häufig geschehen.
    Mit der “Jugend” wird Politik gemacht, aber leider nicht für die Jugend!

  13. Eisenkolb Gerhard on März 21st, 2015 18:00

    @hofmann: es gibt halt Leute, die Stammtische nicht ausstehen können.Ich zum Beispiel. Von den Kraftmeiereien dort im Bierdunst halte ich nicht viel.Ich brauchs mir auch nicht antun, da ich keine Politischen Ambitionen habe. Jeder nach seiner Facon!:
    Das ist urbaierisch.

  14. Leopold Ploner on März 22nd, 2015 21:30

    @RalfKleeblatt Ist dieses “Geschreibsel völlig ineffektiv und verläuft meist im Sande”? Ich denke, die Frage ist berechtigt. Allerdings könnte man sie gerade so gut an Spiegel oder FAZ, Welt oder FT stellen. An sämtliche Buchautoren sowieso.
    Man muss kein Internet-Euphoriker sein um zu sehen, dass sich in unserer politischen Kultur etwas ändert. Wir sind seit Generationen ein bestimmtes Schema der politischen Meinungsbildung gewohnt: Überregional gibt es sogenannte Leitmedien, lokal gibt es den Stammtisch. (Übrigens bin ich einer Meinung mit Michael Hofmann, dass der Stammtisch arg unterschätzt wird)
    Mit Blogs und sozialen Netzwerken sind nun neue Medien hinzugekommen, und gerade der Moosblogger ist ein schönes Beispiel, dass das eben kein “Sammelsurium an Unverbindlichkeiten” ist.
    Das Blog ersetzt nicht das persönliche Gespräch an einem Tisch, aber es öffnet und erweitert die politische Diskussion.

  15. Eisenkolb Gerhard on März 23rd, 2015 09:27

    @leopld ploner:
    Was ist FT?

  16. Eisenkolb Gerhard on März 23rd, 2015 10:28

    @leopold ploner:
    Stammtisch unterschätzen?
    Sicher nicht:
    Autobahnmaut war allorts ein Stammtischthema.
    Da haben alle Hurrah geschrien und deshalb hat die CSU koalitionsfrei wieder die absolute Mehrheit erzielt.

    Nur nachgedacht wird da oft weniger am Stammtisch. Ist oft auch schwierig nach der 7. Halben.
    Diese Meinungsbildung am Stammtisch hat eine lange Tradition in Bayern:
    Das beliebte baierische Haberfeldtreiben wurde stets am Stammtisch ausgegoren.

    Unterschätzen darf man den Stammtisch also keinesfalls.
    Doch hat er eher mit Basis als mit Demokratie zu tun.
    Den wurde es wirklich mal demokratisch (also kein einheitliches Meinungsbild)war die Folge kein Haberfeldtreiben, sondern eine zünftige Wirtshausschlägerei.

  17. Administrator on März 23rd, 2015 17:29

    @Alle: Danke allen Diskutanten für die lebhafte Debatte. Ich schlage vor, wir schließen hier die Diskussion.

  18. Michael Hofmann on März 26th, 2015 10:03

    http://br.de/s/1eyvgfa
    Ein sehenswerter Film worum es mir mit meinem Antrag zur gestaltungssatzung ging.

  19. Eisenkolb Gerherd on März 26th, 2015 15:34

    @hofmann:
    Tut mir leid, aber er ist das geborene Orakel:
    Zu verhindern, dass jeder baut wie er will oder zu verhindern, dass jeder GR mitquatscht wie der einzelne zu bauen hat?

  20. Michael Hofmann on März 27th, 2015 10:40

    dieser Film zeigt Häuser in einer kaum zu überbietenden scheusligkeit und dann auch noch bunt gemischt