Ich hatte ja in meinem letzten Beitrag “5 Gründe” genannt, “der nächsten Gemeinderatssitzung zu lauschen”. Heute habe ich gelauscht – und bei zwei Punkten fleißig mitgekritzelt.

Ehrgeizige Klinik-Pläne & ein altbekanntes Problem

Prof. Dr. Rainer Salfeld, Geschäftsführender Gesellschafter der Artemed SE, skizzierte, wie das barocke, denkmalgeschützte Diessener Kloster vom Heiligen Vinzenz von Paul (neben dem Marienmünster) in nun 50-jähriger Erbpacht (mit Verlängerungsoption) zu einer psychosomatischen Klinik umgestaltet werden soll. Salfeld hat Rechtswissenschaften an der Uni Bielefeld studiert, am Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsrecht promoviert, war bei McKinsey & Company Senior Partner für den Bereich Gesundheitswesen, gehörte 1990 zu den Gründern der Artemed-Kliniken, ist Lehrbeauftragter für Wirtschaftswissenschaften an der Uni Augsburg und Honorarprofessor.

Auch heute Abend betonte er gegenüber dem Diessener Gemeinderat den therapeutischen Wert des Dießener Klosters. Dieser liege in dessen Charme, dem schönen Umfeld und insbesondere in der „Spiritualität“. Bis Anfang Dezember werden nach seinen Angaben die Barmherzigen Schwestern das Kloster geräumt haben, dann soll die Detailplanung beginnen. 80 Betten – die Verweildauer der Patienten beträgt laut Salfeld vier bis sechs Wochen – soll die Klinik später einmal haben – und 120 Mitarbeiter: zwei Drittel im klinischen, ein Drittel im verwaltungstechnischen Bereich. Eine „moderne Klinik mit historischem Ambiente“, die auch bald den Status eines Lehrkrankenhauses bekommen soll, wird für einen „explodierenden“ Markt entstehen, so Salfeld. Dieser rasant wachsende Markt ist aber ebenso heiß umkämpft – und so darf man davon ausgehen, dass hier einiges investiert werden muss.

Den Gemeinderäten ging es in ihrer Fragerunde vor allem um Verkehrstechnisches: An- und Abfahrt, Parkplätze. Konkrete Planungen konnte Salfeld dazu noch nicht vorweisen. Er verwies aber darauf, dass künftig zwar nicht mehr Menschen im dann ehemaligen Kloster sein werden als bisher, nur würden es aber sicher „mehr mit einem Führerschein“ sein. Eine interessante Frage hatte SPD-Gemeinderat Erich Schöpflin: Wie Artemed mit der Tatsache umzugehen plant, dass in Diessen Wohnraum knapp und teuer ist, was zumindest für die pfegerischen und verwaltungstechnischen Mitarbeiter problematisch werden könnte. Dem pflichtete Salfeld nicht nur bei, sondern fügte noch hinzu, dass die hohen Wohnkosten auch die – aus anderen Regionen stammenden – Ärzte betreffe. Als einen denkbaren Ansatz, Wohnraum für Personal zu schaffen, nannte Salfeld die Umgestaltung und künftige Wohnnutzung des jetzigen „Hauses der Berufung“ – einem bis dato „Urlaubshaus“ für die Barmherzigen Schwestern – auf dem Klostergelände.

Dieser Punkt hat erneut ein altbekanntes, in Wahlkampfzeiten von vielen Kandidaten gebrauchtes Thema ans Tageslicht befördert. Bezahlbarer Wohnraum ist bei uns Mangelware. Es braucht dazu Lösungen, die aber die bei uns üblichen Einfamilienhäuser-Neubauten sicher nicht sind. (Siehe Moosblogger-Beitrag vom 11. März 2014)

Einstimmig für Machbarkeitsstudie Radweg Dießen-Fischen

Der Tagesordnungspunkt, über eine „anteilige Kostenübernahme einer neuen Machbarkeitsstudie“ (es geht dabei für unser Luftkurörtchen um 3.500 EUR, die anderen Anteile übernehmen die Gemeinden Pähl und Raisting) zum Radweg Dießen-Fischen zu beraten und abzustimmen, ging in der heutigen Gemeinderatssitzung für mich überraschend geräuscharm über die Politbühne. Keine deftige Schelte wider die „aktuellen Bemühungen“ um eben diesen lange totgeredeten Radweg war zu hören, eher diplomatische Statements. Bürgermeister Herbert Kirsch begründet die Machbarkeitsstudie damit, der Öffentlichkeit aufzeigen zu wollen, wie der Sachstand aussieht, „wie die Fakten wirklich sind“. Er will „noch einmal alles zusammenführen“ und überprüfen lassen, „ob die naturschutzrechtlichen Einwände gegen den Radweg zutreffen und einer Überprüfung standhalten“. Dabei stellte Kirsch wiederholt ausdrücklich einen Radweg zwischen Dießen und Raisting in den Mittelpunkt.

Der Zweite Bürgermeister Peter Fastl (Freie Wähler) wählte andere Worte. Neue Erkenntnisse ließen die Sache mit einem Radweg Birkenallee heute besser aussehen als vor Jahren und er äußerte den Eindruck, zehn Jahre lang dumm gehalten worden zu sein, was die Argumentationen mit FFH- und Ramsar-Schutzgebieten betreffe. CSU-Fraktionschefin Susanne Plesch wies auf veränderte Umstände, etwa beim Brutverhalten der Vögel, hin, die eine neue Bestandsaufnahme sinnvoll machten. Ihr Gemeinderats-Kollege Jürgen Zirch (CSU) sprach von einem Bürgerwillen für einen Radweg Birkenallee. Die Frage von Dießener-Bürger-Gemeinderätin Marianne Scharr, sie sei von dem jahrzehntelangen Thema genervt und wolle wissen, wann denn nun endlich mal ein Radweg gebaut würde, erntete den bürgermeisterlichen Hinweis, Grundstücks-geschuldet „Geduld“ und „Beharrlichkeit“ zu zeigen: „Das dauert einfach!“, so Kirsch.

Die Abstimmung zur anteiligen Kostenübernahme fiel schließlich zu meiner großen Überraschung und Freude einstimmig positiv aus. Auch Bayernpartei-Gemeinderat Michael Hofmann hob die Hand; mit dem Kommentar: „Wenn es die letzte Studie zu diesem Thema ist.“ – Schaun mer mal!

 

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Kommentare

2 Kommentare zu “Gemeinderat einstimmig für Machbarkeitsstudie Radweg Dießen-Fischen”

  1. Leopold Ploner on November 4th, 2014 09:32

    Da schau her, es bewegt sich tatsächlich etwas beim Thema Birkenallee. Waren die Radldemos anscheinend doch nicht vergebens.

  2. kube alfred on Januar 2nd, 2015 20:17

    schön, dass es mal wieder eine machbarkeitsstudie zur realisierung eines radweges an der birkenallee gibt. wenn diese dann mal vorliegt, kann der gemeinderat ja auch mal eine studie zur realisierung eines radwegeplanes für dießen, wo die radlfahrer überwiegend wegen der raserei auf den durchführenden staatsstraßen, die fußwege benutzen, beauftragen. ich denke man muß auch mal die eigenen bürger, vielleicht durch entwicklung eines “verkehrswegeplanes”, vor dem ausufernden verkehr krach und dreck, schützen! alfred kube