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Hoffentlich kein Sommerlochfüller ist die auflebende Diskussion um einen Radweg an der Birkenallee zwischen Diessen und Pähl am Südzipfel des Ammersee. Darum gestritten wurde schon, bevor es mich 1999 ins Luftkurörtchen verschlug. Kolportiert sind  Demos, bei denen sogar die CSU für diesen Radweg eingetreten sein soll. Wer allerdings diese endlose Geschichte im Detail, in seiner reinen Undnichtsalsdiewahrheit kennen will, muss einen “richtigen Dießener” fragen; die wissen es. Ich gebe meinen Senf im Hier und Heute dazu.

Zugegeben, ich bin kein Kampfradler mit Sonnebrillenmaske, Hundertzwanziggangrennrad und so einer lustig knallbunten, P-gepolsterten Radlerlegging. Ich radle gelegentlich ins Denkerhaus, zum Seefest oder zu Flohmärkten in die Seeanlagen, manchmal am Wochenende auch nach Utting oder nach Stillern. Eine schöne Tour wäre sicher auch zum Sonnenuntergang nach Wartaweil. – Womit wir wieder beim Thema wären.

Denn so eine Tour entlang der jetzigen, engen, leitbeplankten Birkenallee ist mir viel zu lebensgefährlich: die Radfahrerhölle im beschaulichen Naturschutzgebiet. Demnächst werde ich aber diese Strecke doch mal fahren; nämlich bei einer der nächsten Radlerdemos für einen Radweg (die Demos sind immer am ersten Freitag eines Monats angesetzt).

Als Ausweichstrecke propagiert man hier gerne eine Raistinger Schleife. Die ist doppelt so lang, führt weg vom See durch oberländische Pampa, und wird schlicht vom radfahrenden Volk nicht angenommen, was man deshalb auch als pure Zeit- und Geldverschwendung sehen könnte. Dennoch war es in den letzten Jahren bei den politisch Verantwortlichen angesagt, diese Route als Ei des Kolumbus zu verkaufen.

Nun unterstützt die Forderung nach dem Radweg an der Birkenallee mit dem Pähler Bürgermeister Werner Grünbauer erstmals ein Gemeindeoberhaupt. Das kommt nicht überall gut an: weder bei den strikten Ablehnern, noch bei den Resignierten, die sich in das amtsstübliche “Geht nicht! Amen!” gefügt haben. Sogar das “Landsberger Tagblatt” hat kürzlich die Stirn gerunzelt, Grünbauer wolle diesen Kampf partout nicht aufgeben.

Nun hat sich die GRÜNEN-Fraktionsvorsitzende im Dießener Gemeinderat, Petra Sander, in ihrem Blog zu Wort gemeldet. In ihrer gewohnt faktenreichen und ganz und gar unpolemischen Art reiht sie ein paar lesenswerte Informationen aneinander. Aber sie outet sich – wieder zum Verdruss der Radweggeschlagengegebenen – am Schluss als Sympathisantin der neuen Radlerdemos. Dass überhaupt ein Gemeinderat mit einem eigenen Weblog außerhalb der Wahlkampfwochen bei uns eine Position bezieht, ist ja ohnehin schon außerirdisch – aber nun auch noch so etwas…?!

Ich bin absolut kein Freund irgendwelcher, auch in ihrem Blogtext “Radwege” gelisteter, amtschinesischer Worttsunamis. Aber diese schlichte Feststellung finde ich besonders bedenkenswert: “Ab der Abzweigung der LL 10 nach Raisting gibt es zwei Varianten den Ammersee südlich bis zur Brücke der neuen Ammer vor Fischen zu umfahren:

  • 2,8 km auf der Birkenallee,davon 2,8 km durch FFH- und Ramsar-Gebiet; davon 2,8 km auf einer Staatsstraße mit Tempo 80 km/h
  • 5,7 km über die Raistinger Schleife, davon 4,5 km durch FFH- und Ramsar-Gebiet; davon 1,8 km auf einer teils kurvigen Kreisstraße ohne Tempolimit (100km/h erlaubt).”

Man kann sich nun die Augen reiben, an den Kopf fassen, diesen auch in den Sand stecken, oder einfach mal das Thema weiter denken, diskutieren und für die Leute hier vor Ort eine Lösung finden. Ob, wie und wo ein Radweg am Südufer des Ammersees gebaut werden soll, ist eine legitime Debatte. Die darf gerne 15 Jahre, 25 oder 75 Jahre dauern. Die darf sich aber niemand verbieten lassen, schon gar nicht, “weil es schon immer so war” bzw. eine Behörde vor 16 Jahren einen Bescheid erstellt hat.

Als Öltröpfelchen gieße ich streitlustig eine weitere, dritte Variante zum Streckenverlauf ins Glaubenskriegflämmchen: Macht doch die Birkenallee zwischen Dießen und Pähl ganz zum Radweg! Lasst die Autos irgendwelche Raistinger Schleifen fahren!
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Kommentare

6 Kommentare zu “Wenn sich Leute partout nicht geschlagen geben”

  1. Leopold Ploner on August 20th, 2014 07:38

    “Macht doch die Birkenallee zwischen Dießen und Pähl ganz zum Radweg” Genial, das gefällt mir :-)
    Ich bin froh, dass wieder Schwung in diese Diskussion kommt.

  2. Renate on August 20th, 2014 09:52

    Die Birkenalle zum Radweg zu machen und die Autos über Raisting fahren zu lassen … hervorragender Vorschlag! Allerdings befürchte ich, dass er nicht angenommen wird.
    Viele Grüße von Schondorf nach Dießen!
    Renate
    P. S.: Ich zähle übrigens auch zu den “gemütlichen” Radfahrern, würde aber per Rad auch nicht über die Birkenallee fahren.

  3. Michael Hofmann on August 21st, 2014 15:08

    wenns die Leute partout nicht begreifen wollen,
    verschwenden sie ihre Energie. Statt sie für machbare Wege einzusetzen

  4. Leopold Ploner on August 26th, 2014 09:58

    Es ist nicht so, dass ich es partout nicht begreifen will. Aber auch mit großer Willensanstrengung kann ich nicht verstehen, warum ein Radweg an dieser stelle ein Problem ist, eine Autostraße aber nicht.

  5. -Zap- on August 26th, 2014 22:45

    Die Straße ist schon da, der Radweg wird -obwohl ihn viele wollen- leider nie kommen. Ich weiß, es ist schwer bis gar nicht zu begreifen, aber das sind nun mal die Fakten.

    Außerdem braucht man für den Radweg auch Platz, d.h. jemand muss Grund abgeben. Und da gibt’s auch einige, die dazu (aus deren Sicht auch verständlicherweise) nicht bereit sind und einer partiellen Enteignung der Grundstückseigentümer sprechen natürlich auch viele Gründe entgegen, aber das hier alles überstrahlende Verhinderungsargument besteht aus drei Buchstaben … “FFH”.

  6. eisenkolb gerhard on August 29th, 2014 00:49

    Die Lösung schlechthin: Die Birkenallee als Radweg. Die Autos über Raisting. Eine Lösung die nur ein paar Schilder mehr kostet. Sonst nix und sofort realisierbar ist