TageszeitungGerade habe ich auf dem Medien-Portal kress einen interessanten Beitrag gelesen, der sich mit den Fragen beschäftigt, warum die Auflagen der Tageszeitungen sinken und sinken und sinken, und was es für Handlungsoptionen der Verlage gibt. Es ist schon viel darüber geschrieben worden, aber hier lockt eine Anfangsthese näher hinzuschauen: Die Konkurrenz durch Online-Medien sei nur ein “nachrangiger Grund” für den Niedergang der Auflagen gedruckter Zeitungen.

Das ist die überraschende These von Prof. Andreas Vogel, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Presseforschung und Medienberatung in Köln. Statt dem üblichen “das Internet ist schuld!” hebt der habilitierte Kommunikationswissenschaftler und außer planmäßige Professor an der Universität Bamberg aus einem “ganzen Strauß von Faktoren” die fehlende Kaufkraft und die mangelnde Produktdifferenzierung als die beiden wichtigsten Ursachen für die Talfahrt der Tagespresse hervor.

Bemerkenswert, dass in unserer heilen Welt für viele Haushalte die Tageszeitung zum unbezahlbaren Luxusgut und dort andere Konsumwünsche wichtiger geworden sind. Prof. Vogel meint, unsere Gesellschaft spreize sich: “Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer.” …

Es folgen weitere interessante Gedanken. Etwa zum Medien-Nutzungsverhalten der Menschen: Smartphones und Tablets würden nicht vorrangig gekauft, um online Nachrichten zu lesen, sondern im Sinne der Individualkommunikation um mit Freunden, Bekannten zu kommunizieren.

Noch ein Highlight: “Die meisten Zeitungsverleger nagen auch heute nicht am Hungertuch”, und: “Wenn sie die Auflagenverluste stoppen wollen, werden sie günstigere Tageszeitungen anbieten müssen.” …

Am spannnendsten finde ich die Überlegungen zur “Produktdifferenzierung” der Tageszeitungen. Prof. Vogel plädiert für Experimente, wie etwa neben der “Einheitszeitung” drei, vier Variationen davon anzubieten, z.B. dünnere und damit billigere oder nach Themen differenzierte; z.B. mit oder ohne Lokalsport. Auch wenn solche Ansätze mit Online-Ausgaben technisch wohl am praktischsten umsetzbar wären, sieht Vogel überraschend gerade hier Vorteile für Print-Ausgaben: Leser wollen, dass ihnen etwas vorgelegt wird, meint er. Da gebe es bei Online-Ausgaben Hindernisse: leseunfreundlich seien oft nicht nur PDFs, sondern auch längere Texte auf dem Smartphone. Auch diese Einschätzung teile ich.

Am kommenden Donnerstag nun, dem fußballfreien 10. Juli, 18.30 Uhr, haben wir einen Lokalzeitungsmacher beim Ammersee Denkerhaus Schnupperma(h)l zu Gast. Alois Kramer, Chefredakteur und Geschäftsführer des Ammersee Kuriers, hält mit mir den Impulsvortrag, wie Selbständige und Kleinstunternehmer Eingang in Lokalmedien finden können. Kramer wird vom Arbeitsalltag einer Lokalredaktion erzählen, während ich durch die Brille des PR-Beraters ein paar Tipps gebe, wie man gut mit den Kollegen in Redaktionen zusammenarbeitet und wie man eine gute Nachricht verfasst. Sicher wird es beim Schnupperma(h)l viele Fragen und lebendige Debatten geben. Die Zukunft von Lokalzeitungen könnte ein Thema sein.

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Kommentare

1 Kommentar zu “Thema “Tageszeitung” – Schnupperma(h)l mit Ammersee Kurier”

  1. Hannes Sander on Juli 6th, 2014 09:43

    #Schondorf hat zu diesem Thema seine Gedanken geschrieben – und ein paar Zahlen hinzugefügt. der #Schondorfer fragt zudem seine Leser, ob sie überhaupt noch eine Tageszeitung lesen…. http://schondorf.blogspot.de/2014/07/print-ist-tot.html