Die Vorstellung eines Konzepts zum künftigen Betrieb unseres luftkurörtlichen Hauptbahnhofs hat mich heute Abend in meinen geliebten Kuschelklappsessel im Rathaus gelockt. Ein Initiatvkreis von 5 Herren aus Dießen hatte Gelegenheit sein Konzept zu einem “Bürger & Kulturbahnhof Dießen” vorzustellen.

Bevor Roland Wolloner-Scharfe das Wort bekam, hatte Bürgermeister Kirsch seinen Gemeinderäten erkärt, man wolle heute zu dieser Sache aber keinen Beschluss fassen.

Im Namen der Initiatoren Thomas Kanzler, Roland Kratzer, Thomas Lindner, Herbert Metze und Roland Wolloner-Scharfe präsentierte Wolloner-Scharfe gekonnt das Konzept, inklusive Nutzung, Finanzen und Zeitplan, bis hin zu einem vorbereiteten Antrag.

Der Plan basiert auf der Idee, dass “möglichst viele Bürger und Unternehmen aus Dießen” mit einer zu gründenden Genossenschaft den Bahnhof “auf Erbpacht-Basis” erwerben und als “Bürger & Kulturbahnhof” betreiben. Die Finanzierung wird aus Mitteln des Landesdenkmalamtes, Sanierungszuschüssen, evtl. Stiftungsmitteln, aus Genossenschaftsanteilen und gegebenfalls mit Krediten angestrebt.

Nachdem Wolloner-Scharfe die Genossenschaftsfunktionsweise erläutert hatte, präsentierte er die mit Spannung erwarteten Nutzungs-Vorstellungen. “Post und Touristinfo gehören in den Bahnhof”, meinen die Initiatoren. Und: Die Nutzungsart des Erdgeschosses sei “der Schlüssel zur Belebung des Gebäudes”. Einen Teil der erdgeschossigen Fläche hat man als Gastronomiebetrieb vorgesehen (der Gemeinderat meint, nie gegen eine Gastronomienutzung gewesen zu sein). Außerdem soll dort, laut Konzept, ein Veranstaltungssaal geschaffen werden. Dieser soll mit Kleinkunstveranstaltungen genutzt und auch an Vereine und Bürger vermietet werden. Bewirten soll die dortige Gastronomie.

Die drei Wohnungen in Ober- und Dachgeschoss sollen – so habe ich die Schilderungen interpretiert – erhalten bleiben (die Mieter könnten sogar ein Auge auf ihr dann umgestaltetes Umfeld werfen, hieß es). Jedoch deutete Wolloner-Scharfe an, “sollte die Änderung der Situation” und “Nachfrage nach einer Umnutzung im OG/DG” entstehen, seien “entsprechende Sanierungen und Umbauten denkbar”. – Als Gemeinderat hätte ich da mal nachgefragt…

Die Initiatoren argumentieren neben der Belebung der – wirklich schönen und viele Möglichkeiten bietenden – Immobilie unter anderem mit einer Entlastung des gemeindlichen Haushalts durch eine Bürgerbeteiligung bei der Sanierung. “Jährliche Folgekosten für den laufenden Betrieb des Bahnhofes für die Gemeinde” sollen vermieden werden, wobei die Gemeinde durch den zu schließenden Erbbauvertrag Objekt-Eigentümerin bleibe.

Den Investitionsbedarf (ohne Sanierung der OG/DG-Wohnungen) haben die Initiatoren mit 700.000 EUR errechnet, der durch Genossenschaftsanteile, Zuschüsse und Kredite finanziert werden soll. Auf der Einnahmenseite wird mit ca. 54.000 EUR aus Verpachtungen im Erdgeschoss und ca. 12.000 EUR Mieteinnahmen im OG/DG gerechnet. Die Gesamtausgaben wurden mit (netto) 25.000 EUR beziffert, zzgl. 20.000 EUR Abschreibung. Die Erbpacht an die Gemeinde steht mit 1.000 EUR p.a. im Konzept. Auf Basis dieser Zahlen wurde ein “Gewinn nach Steuern” von ca. 11.550 EUR errechnet!

Kühn war auch der vorgestellt Zeitplan, der z.B. den 30.11.2012 als “Entscheidung der Gemeinde” vorsieht. 1.000 Genossenschaftsanteile sollen bis März 2013 verkauft sein (beim Preis pro Anteil besteht noch keine Einigkeit), im März 2013 die Genossenschaft gegründet, im Juni 2013 der Baubeginn sein. Erste Mieter sollen im Mai 2014 einziehen, der Betrieb von Gastronomie und Kleinkunstbühnen schließlich im Juni 2014 starten. Und so beantragten die Initiatoren auch gleich “die Zustimmung der Gemeinde zum vorgestellten Konzept ‘Bürger & Kulturbahnhof Dießen’ auf Basis Erbbaurecht im Rahmen einer Bürgergenossenschaft.”

Ganz so schnell ging es dann aber doch nicht. Auf Empfehlung von Bürgermeister Kirsch nahmen die Gemeinderäte erst einmal das Konzept zur weiteren Beratung “mit in ihre Fraktionen”. Einhelligkeit schien zu bestehen, dass man dennoch in dieser Sache “zügig zu einem Beschluss kommen” will.

Es rührt sich also etwas im Luftkurörtchen! Ich stimme den Initiatoren, die sich zusammen einen Kopf gemacht haben, auch völlig zu wenn sie meinen, Dießen könne ein “Identität stiftendes Gebäude, das von allen Kreisen der Bevölkerung genutzt werden kann, sehr gut gebrauchen”. – Ich bin gespannt, wie es weitergeht – auch angesichts der atemberaubenden Planung…

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