Okt
30
Gott bewahre, von der Straße auf die Schiene!
abgelegt von Hannes Sander in Dießener Schilder-Bürgereien | kommentieren
Dieser goldene Herbst lädt zum Spaziergang ein. Aufmerksamen Beobachtern wird dabei auffallen, was noch so alles blüht in unserem Luftkurörtchen. Massenhafte Verkehrszeichen sind nicht nur Dauerblüher, sie sprießen bei uns auch an ganz verblüffenden Stellen. Hier zum Beispiel das “Vorschriftszeichen 209-30 vorgeschriebene Fahrtrichtung – geradeaus”, das wohl auch den verwirrtesten Lenker davon abhalten soll, am Bahnübergang Birkenallee in St. Alban von der Straße auf die Schiene zu wechseln.
Habt Ihr auch solche Schnappschüsse? Ich stelle sie gerne hier im MOOSBLOGGER vor.
Okt
29
Hauptbahnhof Dießen: Jetzt gehts los. Oder?
abgelegt von Hannes Sander in Diessen, So eine Wirtschaft in Diessen | kommentieren
Heute vormittag hat er getagt, der große Rat der Gemeinderäte. Nicht öffentlich. Es ging um die Verwertung der Schnäppchenimmobilie Dießener Hauptbahnhof. Vielleicht war es so:
Man wollte mal ganz unter sich seinen unkonventionellen Visionen freien Lauf lassen, ohne dass gleich in der Öffentlichkeit über kühne Ideen fies hergefallen wird. Im Ergebnis des lebhaften Brainstormings hat sich eine spätere Nutzung als Ammersee-Aquarium, nach dem Vorbild des Aquarium of the Lakes in einem ähnlichen Bahnhofsgebäude am Windermere See, herausgeschält. Konkrete Hausaufgaben sind – einstimmig – verteilt worden: Partei 1 wird vor allem bei ihren heimischen Unternehmern Gelder für eine Machbarkeitsstudie sammeln; Partei 2 kümmert sich um die Förderung durch ihre Staatsregierung; Partei 3 macht sich Gedanken um den grünen Inhalt; Partei 4 wird die Idee unter den Dießener Bürgern erläutern und um eine breite öffentliche Zustimmung werben; Partei 5 erstellt ein soziales Konzept der Arbeitsplatzschaffung; Partei 6 macht sich Gedanken über einen künftig unabhängigen kommunalen Betrieb dieses Vorhabens; Partei 7 plant die regionale Vernetzung dieser künftigen Attraktion; Partei 8 steigt dann ab nächstes Jahr in dieses eine Projekt groß ein.
Ist natürlich alles nur ersponnen. Ich muss mich, wie Ihr auch, gedulden, was am Montag, vermutlich aber erst am Dienstag, in DER Zeitung zur heutigen Ratssitzung verlautbart wird. (Vorsicht, Aufbrausende: Satire!)
Okt
28
Vom Leistungs- und Erholungsdruck
abgelegt von Hannes Sander in Diessen, So eine Wirtschaft in Diessen | kommentieren
Der Punkt stand nicht auf der Tagesordnung zur letzten Gemeinderatssitzung, hätte aber vielleicht nicht nur den MOOSBLOGGER in die kuscheligen Zuschauerklappsessel am Marktplatz gelockt. Wie ich dem täglichen Landsberger Heimatblatt entnehme, ist auf der letzten Sitzung unserer Volksvertreter die gehaltliche Höherstufung von Bürgermeister Herbert Kirsch beschlossen worden. Der 2. Bürgermeister habe einen entsprechenden “Sachvortrag” “vorgelesen”, dieser sei “ohne Aussprache zur Kenntnis genommen” und “einstimmig beschlossen” worden.
Wenn ich die Verlautbarung richtig lese, wurden die 254,04 EUR mehr für den Rathauschef mit den “besonderen Aufgaben, die mit dem Bürgermeisteramt in Dießen verbunden” seien begründet: Es sollen u.a. die 82 qkm, die Lage am See, die Gewässer-, Natur- und Landschaftsschutzprobleme bringt, die “sehr unterschiedliche Struktur” des Luftkurörtchens, die hohe Ansprüche an die Beurteilung von Bauanträgen stelle, und die Rolle als Vorgesetzter von 72 Mitarbeitern ins Feld geführt worden seien. – War das eigentlich nicht “schon immer so”…?
Mein Lieblingswort in dem Bulletin ist “Erholungsdruck”; auch dieser soll aus der Uferlage erwachsen und die Höhergruppierung mit begründen. Was, bitte, ist “Erholungsdruck”? – Unsere Gemeinderäte scheinen es zu wissen, denn selbst das war kein Anreiz für eine Aussprache.
Unserem Bürgermeister sei zur Höherstufung gratuliert; hoffentlich bleibt da auch nach Steuern tatsächlich mehr im Geldbeutel! Ein monatliches Plus von 250 EUR für die 72 Beschäftigten wäre sicher auch sehr nützlich, um z.B. die Binnennachfrage in der luftkurörtlichen Geschäftswelt anzukurbeln, und das würde dem MOOSBLOGGER noch besser gefallen.
Das Prozedere allerdings – Tagesordnungspunkt nicht ausweisen, im Gemeinderat Sachvortrag vorlesen, ohne Aussprache zur Kenntnis nehmen, einstimmig beschließen – sorgt bei mir mal wieder für Stirnrunzeln.
Okt
26
Schmalspur anstatt Breitband
abgelegt von Hannes Sander in Diessen, Wahlen 2008 in Diessen | kommentieren
Für heute Abend ist eine “Außerordentliche Ortsversammlung” zum Thema Breitband-Erschließung angekündigt (20:00 Uhr, OT Obermühlhausen, Gasthof Wegele). “Außerordentlich” tönt dramatisch, man ist geneigt zu vermuten, das Internetz feiert im Luftkurörtchen fröhliche Urständ, getrieben vom aufsehenerregenden Durchmarsch der PIRATEN in Berlin glühen nun auch am Südzipfel des Ammersees die Breitbandkabel behufs Transparenz und Bürgerinformation. Tatsächlich ist Information hilfreich, will man angesichts unserer 8 (in Worten: acht) Gemeinderatsparteien den Überblick behalten und ihr Schaffen für unser aller Wohl verstehen und fair beurteilen.
Angeregt durch die eMail eines MOOSBLOGGER-Lesers habe ich mich also mal wieder im Wörldweidweb auf die Webseiten unserer lokalen Volksvertreterorganisationen gestürzt. Das Ergebnis ist, wie bei meinem letzten Test 2009, aber immernoch höchstens Schmalspur anstatt Breitband.
Die CSU verkündet als Aktuelles eine neue Dorfweide vom 8. Dezember 2008 und lädt ein zum Stammtisch am 30.04.2009. Die Grünen haben überhaupt keine lokalen, auch keine kompostierten Neuigkeiten. Die Bayernpartei kommt als “Bayernpartei Landsberg am Lech” daher und verkündet, sich jeden 1. Dienstag im Monat zu treffen und hat einen nicht terminierten Bericht zu einer Wasserkraft-Diskussion online. Die Diessener Bürger laden aktuell zu einer Versammlung ein; man möchte es angesichts der dünnen Nachrichtenlage fast nachsehen, dass der Termin schon am 16.06.2011 stand. Gut angefangen wurde einst mit der Veröffentlichung von Protokollen, das Letzte stammt allerdings nun auch schon vom 10.11.2010. Noch angegrauter ist die – eigentlich gute Idee Bildergalerie: Hier gabs letztmals am 01.03.2008 neue Pics. Unsere Freien Wähler liegen ganz in der Mitte; sie haben zwar keine Neuigkeiten oder Termine, aber immerhin doch das Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 20. Mai 2011 veröffentlicht. Die SPD lädt hochaktuell zum “Samstagsfrühstück ab Herbst” ein, allerdings ohne zu verraten, wann und wo. Ihre Seitennavigation verheißt zudem ganz spannend einen Punkt “Gemeinderat” u.a. mit den Unterpunkten “Informationen”, “Anträge”, “Sitzungstermine”. Sie erweisen sich aber als Bubble: keine Inhalte, schade! Bei der UBV gibt es ebenfalls nix Aktuelles, das letzte online Lebenszeichen ist eine Einladung zur Mitgliederversammlung vom 21. Oktober 2010. Bleibt der “Offene Kreis Dießen”: Der OKD erweist sich aber wie gehabt als konsequent offline.
Fortsetzung folgt.
Okt
25
Wie bayrisch, preußisch,… do you feel?
abgelegt von Hannes Sander in Blick nach Windermere (UK), Moosblogger aus Diessen, web-bizz | kommentieren
Eines der mich aktuell am meisten interessierenden Weblogs ist das “Datablog” des GUARDIAN. Nach dem Motto “Fakten sind heilig” werden dort Zahlen, Fakten “visualisiert”. Gekonnt veranschaulichen im “Datablog” kluge, kreative Köpfe, was für eine Geschichte hinter aufgehäuften Daten steckt. “Datenjournalismus” wird das auch genannt – ein faszinierendes Feld!
Dieser Tage ging das Datablog der Frage nach, wie britisch sich die Leser fühlen und stellte schließlich die Umfrageergebnisse mit Landkarten der britischen Inseln dar. Je nachdem, wie die Leser ihr “Lebensgefühl” – als Briten, Engländer, Schotten, Waliser, Iren, Nordiren – beurteilt hatten, wurden an jenem Punkt der Landkarte, wo diese Stimmen abgegeben worden waren, Farbpunkte gesetzt. Dabei wurde nicht nur sichtbar, dass auch in UK der Lokalpatriotismus lebt: von den rund 15.000 Stimmen waren knapp 6.000 “britisch”. Es zeigte sich auch, dass sich in den Metropolen “britische Gefühle” eher häufen.
Ein interessantes Detail habe ich außerdem gefunden. Nachdem ich ganz tief ins Detail der Karte geklickt hatte, fand ich sogar eine (von 15.000) Antwort aus Windermere, unserer nordwestenglischen Partnerstadt: Dieser Teilnehmer outete interessanterweise schottische Gefühle…
Das Thema und die Verarbeitung der Daten finde ich hoch interessant. Es gibt ein schönes Beispiel, was vielleicht auch im Kleinen, hier im Luftkurörtchen, gemacht werden könnte. Vorstellbar ist z.B. ein “Zufriendenheits-Atlas”, wo im Luftkurörtchen und in seinen Sateliten wie zufriedene Bürger wohnen. Oder man weist einmal aus, wo gehäuft Leute wohnen, die sich als Bayern, Preußen, Schwaben, Sachsen… oder auch als Deutsche oder Europäer fühlen. Vermutlich würde das auf dem Ortsplan zu interessanten Ergebnissen führen.
Viel Zeit müsste man haben…!
Okt
21
Mysterium “Dießen Hauptbahnhof”
abgelegt von Hannes Sander in Diessen | kommentieren
Der altehrwürdige Dießener Hauptbahnhof ist auf ein Karussel geraten: So viele Umdrehungen wie in den letzten fünf Jahren hat unser betuchter Verschiebebahnhof in seinem ganzen Leben nicht aushalten müssen.
Schon zum Jahreswechsel 2006/2007 anlässlich der Übernahme durch einen strahlenden Investor, der bayernweit ein halbes Dutzend Dorfbahnhöfe wie den unsrigen erwarb, herrschte im Gemeinderat die Meinung vor, alles was den Zustand des Bahnhofs verbessern könnte, sollte nur recht sein. Der MOOSBLOGGER fragte schon damals: “Wirklich?”
Ich habe den Eindruck, an diesem Vorgehen hat sich nichts geändert. Selbst das vermeintliche Schnäppchen – die Markrtgemeinde erwarb Anfang 2011 den Bahnhof nun selbst vom “Investor” – halste man sich ohne bestehende Nutzungspläne oder auch nur bekannt gewordenen Visionen auf.
Einzig das seit ebenfalls fünf Jahren schwelende Dauerbrennerthema “Öffentliche Toiletten” rief kühne Planer auf den Plan, die Bahnhofs-Klos mal teurer, nun mal billiger den hartnäckigen Bürgern saniert aufzuschließen. So war am Mittwoch im Landsberger Lokalblatt aus der jüngsten Bauausschusssitzung zu lesen, erste Aufträge für den Klo-Umbau seien vergeben worden, obgleich eine Baugenehmigung noch gar nicht erteilt ist, und dass am übernächsten Samstag der Gemeinderat nichtöffentlich über die Nutzung der Schnäppchenimmobilie beraten will.
Seit dieser Zeitungslektüre frage ich mich, was mich eigentlich mehr wundern soll: Dass man den Umbau eines Teils eines Gebäudes startet, obwohl die künftige Nutzung und damit das Aussehen des Gesamtgebäudes noch ungeklärt sind? Oder, dass sich unsere Gewählten Gedanken über ein nicht unwichtiges Thema der Ortskernentwicklung ohne die lästig neugierige Öffentlichkeit machen?








