Ich mag keine Stammtische. Sich da hinzuhocken, nur weil es mal wieder so weit ist, ist nicht mein Ding.

Gestern Abend war Gewerbeverbands-Stammtisch. Mit einem Spannung verheißenden Thema; deshalb war ich dann doch auch dabei. Am Stammtisch sollte es um “Aktivitäten zum herausragenden (Töpfer-)Marktereignis” gehen, die die Presseverantwortliche des Dießener Töpfermarktes mit den Gewerbetreibenden zu besprechen vorhatte.

Die Gewerbeleute und die Töpfermarktler waren bisher im Luftkurörtchen kein Dreamteam. Zur fälligen Annäherung können Gespräche nur nützlich sein – dachten sich zumindest die Gewerbetreibenden und stellten sich in überraschend großer Zahl zur verabredeten Zeit im Gasthaus “Mirabell” ein. Sie kamen auch rasch zur Sache; ihre knackigsten Punkte brachten sie schon aufs Tablett, noch bevor die PR-Frau von einem Termin eingetroffen war:

  • Der Initiator der Runde, Michael Moser vom Grappashop.de, sah VERBESSERUNGSPOTENZIAL BEIM INFORMATIONSFLUSS, Z.B. ZU DEN WERBEMÖGLICHKEITEN IN TÖPFERMARKT-ZEITUNGEN.
  • WIE GELINGT ES NOCH BESSER, DIE TÖPFERMARKT-BESUCHER IN DIE  ORTSMITTE ZU LOTSEN? Ein Ladenbesitzer schlug vor, dass der Shuttle-Bus von den Außerhalb-Parkplätzen die vielen Gäste nicht – wie gehabt und wieder geplant – direkt zum Bahnhof bringen sollte. Von dort würden sie nämlich direkt in den Töpfermarkt eintauchen, ohne vorher die geöffneten Geschäfte des Ortszentrums gestreift zu haben. – Ob die Töpfermarkt-Logistiker noch nach geeigneten Ausstiegs-Alternativen suchen werden?
  • WARUM SOLL ES NICHT MÖGLICH SEIN, DIE ÖFFNUNGSZEITEN VON TÖPFERMARKT UND GESCHÄFTEN ZU HARMONISIEREN? Der Sinn der geltenden Regelung erschließt sich mir auch nicht: Der Töpfermarkt ist von 10 bis 18 Uhr geöffnet, den Geschäften wird an den Feiertagen (Donnerstag und Sonntag) das Öffnen aber nur von 12 bis 17 Uhr gestattet. – Was soll das denn…?!?

Hier hätten die Gewerbetreibenden eine interne Diskussion gleich anschließen können: WIE GELINGT ES, DASS AUCH WIRKLICH ALLE GESCHÄFTE AN DEN FEIERTAGEN ÖFFNEN UND SICH DIEßEN SO ALS LEBENDIGER MARKT-ORT PRÄSENTIERT…?

Stattdessen wurde mit der PR-Expertin über Plakatwerbung in heimischen Geschäften diskutiert. Die Töpfermarktler sähen es “schon als einen Erfolg”, wenn die Plakate möglichst in jedem Geschäft hingen, um ein “einheitliches Erscheinungsbild” zu schaffen. Einige Gewerbetreibende sahen hingegen mehr Sinn in einer Plakatierung in Nachbarorten und -städten, denn die Dießener wüssten doch sicher, dass Töpfermarkt sei.

Die Töpfermarkt-Presseverantwortliche wünschte, “den Töpfermarkt in der Dießener Bevölkerung mehr zu verankern”; zudem würde ungenügend im Ort kommuniziert, dass dieser Markt ein internationales Ereignis sei. So sprach sie mir dann auch aus der Seele: “Im Ort könnte mehr geschehen.” Als Beispiel schlug sie von Dießener Gastronomen organisierte “Töpferfrühstücke” vor. Sie regte an, schon jetzt sollten etwa im Einzelhandel Überlegungen zu Aktionen für den nächsten Töpfermarkt 2012 beginnen.

Die wohl 40 versammelten Gewerbetreibenden gingen schließlich auseinander, nahmen Prospekte und Plakate mit. Vielleicht erinnern sie sich in einem ganzen – oder besser in einem halben – Jahr an die Vorsätze. Die konkreten Fragen zum Shuttle-Bus und den Ladenöffnungszeiten hat der anwesende Gewerbereferent des Dießener Gemeinderates, Michael Hofmann, sicher notiert und kann die im hohen Rat zur Sprache bringen. (Auch das war übrigens interessant: An dem gestrigen Treffen der Gewerbetreibenden zum “Wirtschaftsturbo Töpfermarkt” hatten zwei Gemeinderäte teilgenommen: Zwei GRÜNE…)

Kommentare

1 Kommentar zu “Man trifft sich schon mal”

  1. wandkarten on Mai 16th, 2011 17:36

    Ich mag Stammtische, hier hört Mandatsträger was der Bürger will oder auch nicht. Man muss nicht alles glauben und ernst nehmen, aber interessant ist vieles schon. Seit die CSU die Luftherrschaft über Bayerns Stammtischen verloren hat ist sie auf dem absteigenden Ast. Wenn Grüne sich erstmal schon an einen Stammtisch setzten dürfen und dann ihnen auch noch zugehört wird weiß ich, dass sich die Zeiten geändert haben. Ich weiß auch noch, wie es früher war.

 

Zum Kommentieren müssen Sie angemeldet sein.