Mai
4
Halbzeitbesprechnung
abgelegt von Hannes Sander in Diessen, So eine Wirtschaft in Diessen, Wahlen 2008 in Diessen
Zur Halbzeit gibt’s vor dem Gang in die Kabinen eine Zusammenfassung der ersten Spielhälfte; vor Wiederanpfiff werden fix noch ein paar kluge Sätze ins Mikro getextet, was denn jetzt alles anders gemacht werden muss…
Wir haben Halbzeit. Am 5. Mai 2008 trat erstmals der zuletzt neu gewählte Gemeinderat mit dem wiedergewählten Bürgermeister an der Spitze im Rathäuschen zusammen. Weil sich auch bei uns eine Legislaturperiode sechs Jahre zieht, haben wir jetzt also Halbzeit.
Wie fällt das Resümee zum Pausentee aus? Klar, jeder Freizeit-Akteur war bemüht und verdient ein dickes Dankeschön für sein ehrenamtliches Engagement. Weil am Ende die Tore zählen ist es für die Halbzeitbewertung hilfreich sich in Erinnerung zu rufen, welches die Aufreger-Themen des Diessener Wahlkampfs Ende 2007/Anfang 2008 gewesen sind. Punkten wollte man damit:
1. Gewerbeentwicklung / Schaffung von Arbeitsplätzen & Lehrstellen
2. Entwicklung Tourismus
3. Gestaltung der See-Anlagen
4. Langfristige Entwicklungsstrategie für den Ort
5. Nutzung der Geothermie
6. Bevölkerungsentwicklung / Familien ansiedeln
7. Bürgerbeteiligung, Transparenz politischer Entscheidungen
1. Gewerbeentwicklung / Schaffung von Arbeitsplätzen & Lehrstellen: Das neue Gewerbegebiet Romenthal füllt sich nach und naach und naaach. Irgendwann wird es auch voll sein. Die Zahl neuer steuerpflichtiger Arbeitsplätze, die dort geschaffen wurden und werden, bleibt überschaubar, wenn ins Gewerbegebiet Romenthal vor allem etablierte Dießener Unternehmen – mit einzelnen Ausnahmen – ziehen. – Eine weitere Neuheit in Sachen Gewerbepolitik der 1. Halbzeit: Es wurde die Gewerbesteuer erhöht.
2. Entwicklung Tourismus: Vielleicht fällt in diese Kategorie, dass seit einiger Zeit auf (am Steg vertäuten) Ammersee-Dampfern Ehen geschlossen werden dürfen und dass es bei uns nun einen hölzernen Aussichtsturm im Landschaftsschutzgebiet gibt. – Wem weiteres herausragendes Neues im luftkurörtlichen Tourismus aus den letzten drei Jahren einfällt, der kann das hier im Kommentar gerne ergänzen.
3. Gestaltung der See-Anlagen: In der Never-Ending-Story ist ein neuer, überirdischer Bahnübergang von der Bahnhofstraße in die See-Anlagen nicht zu übersehen. Auf der See-Seite ist er hübsch angelegt, die Bahnüberquerung selbst ist jedoch in ihrem Hamsterkäfigdesign kaum anzuschauen. – Was gibt es noch Neues? Da war die grandiose Idee eines nicht ganz billigen See- oder Seh-Podests, von dem aus Spaziergänger über den heiligen Schilfgürtel schauen können sollen dürften… Täusche ich mich in meinem Eindruck, dass dieser Einfall immer weniger Anhänger haben könnte und zu entschlummern scheint?
4. Langfristige Entwicklungsstrategie für den Ort: Ehrlich gesagt, schon im Wahlkampf fielen Forderungen nach der Entwicklung eines Leitbildes höchstens vereinzelt durch einige hitzige Köpfe… Man scheint im Luftkurörtchen absolutmehrheitlich die Langfristplanung mit einem neuen Flächennutzungsplan gleichzusetzen. Vor etwas mehr als einem Jahr gab es dann auch einen Vorentwurf zum Flächennutzungsplan, zu dem erfreulicherweise etwa 170 Stellungnahmen aus der Bevölkerung eingegangen sein sollen. Das ist ein Jahr her. – Wer etwas Neues dazu weiß, auch, wann es wie weitergeht, bitte hier im Kommentar erzählen!
5. Nutzung der Geothermie: Das war das Wahlkampfthema schlechthin; bei dem man glauben mochte, schon gestern geht es los damit…! Es ist ruhig geworden um die heiße Luft. Dießen schielt in dieser Angelegenheit höchstens ein bisschen nach Utting, wo Geothermie noch immer mal wieder laut diskutiert wird. – Gibt es Widerspruch wenn ich orakle, in den nächsten drei Jahren gibts bei uns keine geothermischen Anlagen?
6. Bevölkerungsentwicklung / Familien ansiedeln: In Diessen gibt es ein gut entwickeltes, vielfältiges, auch gemeindlich gefördertes Angebot zur Kinderbetreuung. Hier sind wir richtig stark! – Denke ich zurück an Wahlkampfdiskussionen zum Baugeschehen im Luftkurörtchen, bleibt die Frage, ob und in welchem Umfang neben der vorherrschenden Errichtung von 1-Familien-, Doppelhäusern bzw. Dreispännern bei uns etwas in Richtung Mehrfamilienhäuser für günstigeren Wohnraum geschieht.
7. Bürgerbeteiligung, Transparenz politischer Entscheidungen: Oh, wie wurde das von Wahlkämpfern hitzig diskutiert; das Verhältnis der Anzahl öffentlicher bzw. nichtöffentlicher Tagesordnungspunkte des Gemeinderates dabei immer wieder ins Feld geführt. Mein Eindruck: Hier geht alles seinen überlieferten Gang, alte und neue Ratsdamen und -herren sahen und sehen hier absolutmehrheitlich keinen Änderungsbedarf. Mir selbst als gelegentlicher Besucher von Gemeinderatssitzungen ist aus der ersten Halbzeit eine einzige offen strittige Debatte des Rates in Erinnerung geblieben: Als ein Gemeinderat gegen die anderen in Sachen Gewerbesteuererhöhung stritt … und unterlag.
Was fällt mir herausragendes Neues aus den letzten drei Jahren, neben den 7 Wahlkampfthemen, noch ein?: Die vergleichsweise soliden Gemeindefinanzen, um die uns andere Örtchen sicher beneiden können; der nun eingebaute Hochwasserschutz in St. Georgen; … der Bahnhof als plötzliche Gemeinde-Immobilie (noch ohne mir bekanntes Nutzungskonzept) … Was noch?? Ergänzungen sind auch hier herzlich willkommen!
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Kehren nun die Akteure nach ihrem Pausentee aufs Spielfeld zurück, gibt es immer diese berühmten schlauen Sätze, was in der zweiten Hälfte anders gemacht werden müsste. Ein Statement könnte lauten: “Das war eine solide 1. Halbzeit. Unser Team hat Potenzial. Wenn es ihm gelingt, dieses in der zweiten Spielhälfte abzurufen, braucht uns nicht bange sein.” Ich sehe die größte und interessanteste Herausforderung in der konzeptionellen Arbeit: Der Flächennutzungsplanentwurf ist eine gute Grundlage für ein Entwicklungskonzept der Gemeinde der nächsten Jahre. Ich bin davon überzeugt, es darf bei der Langfristplanung nicht nur um die Verplanung von Flächen gehen, sondern es braucht eine Verständigung zu gemeinsamen “strategischen” Zielen. Ich hoffe, dass sich unsere Ratstischakteure dafür die nötige Zeit nehmen.
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