Als Medienmensch verfolge ich besonders interessiert, wo das “böse Internetz” denn wieder Schlimmes angerichtet hat. Dieser Tage sorgte zumindest im Web ein Frage-Antwort-Spiel der Bundespressekonferenz für … “Aufsehen”. Einige Hauptstadtkorrespondenten zeigten sich verwirrt, weil der Regierungssprecher nun Neuigkeiten via Twitter in der Öffentlichkeit verbreitet. Dieser Kanal richtet sich bekanntlich direkt an alle Interessenten – er geht quasi an den auswählenden, interpretierenden Journalisten vorbei, was den einen oder anderen “Gatekeeper”-Journi zu irritieren schien.

Ein Satz aus den geduldigen, wie souveränen Erläuterungen der Bundespressestelle lautet: Es gibt “Informationen, die nicht ausschließlich zuerst über Medienverteiler, sondern auch in der Direktkommunikation zur Verfügung gestellt werden dürfen“.

Ich stelle mir gerade vor, wie sich im Luftkurörtchen wohl die Medienlandschaft entwickelt, wenn sich Direktkommunikation nicht nur auf Regierungsebene, sondern auch in Rathäusern und Gemeinderäten durchgesetzt haben wird. Spannend ist auch die Frage, warum so viele Politiker dieses neumodische Direkt-Zeux meiden, und lieber im trauten Bunde mit “ihrem Hauptstadtkorrespondenten” bleiben: Ich vermute Angst vor Kontrollverlust und Unsicherheit im Umgang mit dem ungewohnten direkten Feedback oder gar Dialog.

Das Unbehagen der Hauptstadtjournalisten mit dem twitternden Regierungssprecher – Das Video from Carta on Vimeo.

Die jüngste Lektüre der “The Westmorland Gazette”, Heimatzeitung unserer englischen Partnerregion, verrät zwei besonders interessante Neuigkeiten. Demnach hat es der Lake District mit zehn weiteren Bewerbern auf die finale Kandidatenliste zur Auswahl britischer Sehenwürdigkeiten als UNESCO-Weltkulturerbe geschafft. Ein verdammt schönes Eckchen ist das ja – schau’n mer mal, ob es klappt!

Mit Kulturerbe hat auch die zweite Meldung zu tun; wenn auch im traurigen Sinne. Im Touristenort Grasmere hat am vergangenen Mittwoch ein Feuer ein historisches Haus schwer beschädigt. Wie berichtet wird, bewohnte das 1805 erbaute Haus von 1808 bis 1811 der weltberühmte Dichter William Wordsworth. – Aus seiner Feder stammt das wunderbare Frühlings-Gedicht von den Daffodils. Selbst Hobby-Ballerinen schrecken nicht vor einer eigenen Interpretation des Poems zurück….

In der vergangenen Woche fand übrigens – noch ohne redaktionelle Erwähung in der “Westmorland Gazette” – in Windermere die Jahreshauptversammlung der dortigen Städtepartnerschaftsorganisation, Twinning Association, statt. Das ist das Gegenstück zu unserem “Freundeskreis Ammersee-Windermere.eV.”.

Nach triumphalen GRÜNEN Wahlsiegen und mächtigen Anti-Atom-Massendemos vom Wochenende hatte ich bei der heutigen Mahnwache gegen Atomkraft mit einem Teilnehmerschwund gegenüber der Premiere vom letzten Montag gerechnet. Doch heute waren es zum Schluss 65 Leute, also sogar noch einmal 15 mehr, die sich in den Dießener Seeanlagen zum “Gutdenken gegen Atomkraft” getroffen haben.

Auch der nächste Montag soll wieder Mahntag sein: Treffpunkt 18.45 Uhr. Nicht lockerlassen, ein Moratorium ist endlich…!

Wieder nehme ich staunend die Riesen-Gewinne der GRÜNEN bei Landtagswahlen zur Kenntnis. Was für eine gewaltige Aufgabe da auf diese Partei zukommt, die vielen Erwartungen zu erfüllen… Viel Glück!

Natürlich haben gestern die meisten Leute den Atomausstieg gewählt. Das Wählerverhalten zeigt aber zugleich: Wasserwerferbeschwerte Basta!-Politik ist durchgefallen, ebenso protokollfehlerhaftes Hinterzimmer-Gekungel.

Wenn das nicht hoffen lässt!!

Fragt mich jemand, wie sie war, die Bürgerversammlung 2011, fällt mir nur das männertypisch karge “Och, najaa” ein. Ich kann nicht mal genau sagen, wo dieses gleichgültige Gefühlsurteil herkommt: Weil es momentan viel Wichtigeres in der Welt gibt, als die Dießener Nabelschau? Weil im Luftkurörtchen kaum Anderes unter den Nägeln zu brennen scheint, als Ordnung und Sauberkeit? Weil die Akteure dieser fünften Versammlung ihrer Art in Wochenfolge etwas ausgeleiert wirkten? Weil die Show ablief wie immer (sogar die Zuspätkommer kamen auch diesmal pünktlich zu spät)?

Dem mayoristischen Zahlenmarathon schlossen sich fast ausschließlich beschwerdeführende Redebeiträge zu Müll, Vandalismus und Verkehrsverstößen an. Die Liste war – bis auf den um das Ammersee-Gymnasium blühenden Müllgürtel – altbekannt. Sie wird auch nächstes Jahr wieder heruntergebetet werden. – Wetten?

Nach wie vor prangt rechts auf dieser Seite das Logo “Netzneutralität“. Ich stehe hinter dieser Forderung, weil ich nicht will, dass wir “Mautsysteme” auf den Internetautobahnen aufgehalst bekommen. Das nämlich würde dann bedeuten, “wer zahlt, bekommt schnellen Zugang, wer nicht, holpert über Schlaglöcher”. So beschreibt es in einem aktuellen c’t-Blog-Beitrag Theo Weirich, Geschäftsführer des City-Carriers wilhelm.tel, Vorstandsmitglied der Stadtwerke Norderstedt und Technik-Vorstand im Bundesverband Glasfaser e.V. (Buglas). Aufmerksam auf diesen Kommentar gemacht hat mich netzpolitik.org.

Besonders gefallen hat mir in Weirichs Beitrag diese Beschreibung: “Das Internet ist eine Laune der Freiheit, es ist die kultivierte Anarchie gegen jede Obrigkeit und Bevormundung, sei es durch Regierungen oder Konzerne. Es beheimatet die Avantgarde der Informationsgesellschaft ebenso wie die widerspenstigen Quertreiber aus Hackerkreisen. Diese Freiheit ist ein Stück Menschenrecht, auf das wir pochen müssen.”

Wenn das nicht Motivation genug ist, auch weiterhin für Netzneutralität einzutreten!

ältere →