Gestern waren die Exil-Diessener in Berlin zum ersten Mal bei einer Bürgerversammlung in ihrer neuen Wahlgemeinde “Mitte-Wedding”. Es ging dabei um die Umgestaltung eines kleinen Parks, der “Plansche”, direkt vor unserer Haustür.

Mit farbigen DIN A3 Plakaten wurde im ganzen Kiez auf die Versammlung aufmerksam gemacht. Der erste deutliche Unterschied zu Veranstaltungen dieser Art im Luftkurort. Der Andrang war recht rege: ca 50 Interessierte, aller Altersklassen und Couleur – denn immerhin geht es um einen sozialen Treffpunkt im Bezirk.

Der Bauplan sieht vor, das einfache Wasserbecken, die Plansche, durch einen modernen Wasserspielplatz zu ersetzen. Der sandige Bolzplatz soll durch einen Kunststoffballspielplatz abgelöst werden und der Kinderspielplatz erweitert und unter ein Motto gestellt werden.

Als nach der Präsentation die Diskussionsrunde beginnt, heizen sich die preußischen Gemüter genauso auf, wie die bayrischen. Vor allem die Abschaffung des Bolzplatzes in seiner jetzigen Form sorgt für Trubel. Auch die “fadenscheinigen” Gründe der Kostensenkung für den Umbau der Planschanlage ließen die Berliner nicht kalt.

Ach, da konnten schon nostalgische Gefühle aufkommen! Die Kommunalpolitik ist eben, egal ob Nord oder Süd, Stadt oder Land, Preiß oder Bayer eine Herzensangelegenheit, die hitzig debattiert und emotional untermalt wird.

Ebenso interessant: Auch hier schien es besonders wichtig zu sein, kein ‘Zugroasta’, sondern echter Berliner zu sein. Viele begannen ihre Wortmeldung mit einer kurzen Stellungnahme, wie lange sie denn schon im Kiez lebten und was sie besonders mit dem Park verbandt.

Der Vorsitzende der Versammlung, der Herr Bezirksrat, überzeugte immer wieder mit Friedensangeboten, Kompromissen und Zugeständnissen (schon wieder ein Deja-Vu). Was der Herr Bezirksrat allerdings vom Diessener Bürgermeister lernen kann, ist hart zu bleiben und den Leuten einfach die nackten Tatsachen vorzuhalten. Am schönsten mit den Wörtchen: “Des is so!”

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Kommentare

2 Kommentare zu “Kommunalpolitik in der preußischen Hauptstadt”

  1. Anni Sander on September 22nd, 2010 16:26

    Noch eine Anmerkung zum letzten Absatz: Welcher Diessener Kommunalpolitiker würde schon Aussagen treffen, wie: “Klar, wir können gerne gegen das Lärmschutzgutachten verstoßen und die Anlage genau so bauen, wi Sie sich das vorstellen [werte Mitbürger]. Aber ich erwarte von Ihnen, dass wenn die ersten Klagen kommen, Sie dem Bezirk dann auch beistehen und mit uns gemeinsam kämpfen!”
    Tja, Berlin ist eben doch ein bisschen anders …

  2. Hannes Sander on September 23rd, 2010 11:35

    Interessante Beobachtung, dass sich sogar in der Multikultihauptstadt ein paar “Einheimische” von den “Zugereisten” abzuheben und ihren Auslassungen per Stammbaum Gewicht zu verleihen versuchen. Solche Knollos gibt es also nicht bloß hier im oberbayerischen Luftkurörtchen. – Sollte mich das nun beruhigen oder beunruhigen…???