von Peter Oefele

Wer braucht schon Vermarktungs- und PR-Profis!
Da wurden doch gestern Abend ganz von alleine sehr sehr schöne Bilder ausgestrahlt: Im Bayerischen Fernsehen lief innerhalb der Sendung “Quer” eine interessante Reportage über unseren schönen Ammersee, der – an alle Auswärtigen und potentiellen “Zuagroasten” da draußen im Internet! – im Übrigen viel cooler ist, als das Starnberger Pendant. Yo, muss auch einmal gesagt werden.

Anlass der Berichterstattung: der neue Dampfer “Augsburg” und die Wellen die er schlägt, bevor er überhaupt losgefahren ist. Insbesondere die kuriosen Meinungsverschiedenheiten rund um seinen für die Ammerseeflotte – gar nicht so – untypischen Namen. Ältere Dießener können sich noch gut daran erinnern, dass schon früher ein Schiff namens „Augsburg“ auf dem Ammersee verkehrte.

Nichts desto trotz, wird nun sogar ein “Friedensfest” zwischen Augsburgern und Herrschingern nötig. Dessen Bürgermeisterin hatte nämlich reichlich uncharmant gegen den neuen Schiffsnamen argumentiert: “Wenn am Ostufer etwas nicht beliebt ist, dann sind es die Augsburger!” So etwas geht heutzutage als astreines “dissen” durch, und natürlich war es ein gefundenes Fressen für Print und Broadcast in der Schwabenmetropole…

Das in der Namensgebung federführende Bayerische Finanzministerium hatte schon zuvor seinen Teil zur allgemeinen Verwirrung beigetragen und ähnlich skurril dagegengehalten: der Ammersee trage schon seit jeher den Beinamen “Augsburger Meer” (?!?), so gesehen sei das mit dem neuen Schiffsnamen schon in Ordnung.

Eine diesbezügliche „Quer“-Umfrage kam dann allerdings zu lustigen Ergebnissen. Von einem „Augschburger Meer“ hatte jedenfalls noch nie irgendjemand irgendetwas gehört. Weder an der Eastcoast, noch an der Westcoast – und schon gar nicht in Augsburg selbst, wo das heimische Meer dann eher am dortigen Kuhsee oder als “Mär” in der Puppenkiste vermutet wurde.

Den letzten Beweis, dass es sich beim „Augsburger Meer“ um eine gänzlich neue Wortschöpfung aus dem Finanzministerium handelt, liefert Google: Gäbe es die jüngsten Äußerungen nicht, würde Google den Begriff überhaupt nicht kennen – und was Google nicht kennt, das gibt’s in aller Regel wirklich nicht…!

Jetzt allerdings…
sieht die Sache anders aus.
Womit der Bauernsee wohl für alle Zeiten einen neuen Beinamen weg hätte. :-)

Marketing-technisch ist das sicherlich kein Schaden. Suchmaschinenoptimierung in Reinform, könnte man fast meinen. Zumindest für unsere hinterländische Seen-Seite, an der der gemeine Augsburger traditionell deutlich weniger gedissed wird, als beispielsweise in Herrsching mit seinem MVV.

Im Anschluss an diese Posse, sollten wir uns tatsächlich einen Slogan zulegen. Dazu ein Banner, höhe Greifenberg einmal quer über die A 96 gespannt: „Ammersee Westcoast – Augsburg zu Gast bei Freunden™…“, oder “Diessen statt dissen.” – DAS WÄRE MARKETING!!!

Fazit: liebe Augschburger Stooderer, kommt’s ruhig alle zu uns zum Baaden. Drüb’n in Herrsching, do kennas eigentlich überhaubt gar koine Schwobn kenna. Mir aber san eich g’wohnt und a baar Leid dad’n sogar saag’n, mir weradn selbscht halbade…

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Kommentare

12 Kommentare zu “Die Mär vom “Augschburger Meer”…”

  1. -Zap- on März 28th, 2008 22:46

    Erstmal super Ray, dass Du mal wieder was geschrieben hast. Du weißt ja, ich liebe es Deine Berichte zu lesen.

    Zum Thema: Augsburger Meer können vielleicht die Augsburger selbst in ihren eigenen Reihen an ihren eigenen Stammtischen gerade noch zu unserem schönen See sagen, aber nicht bei uns und nicht zu mir, denn mir gefällt es nicht. Genauso wenig wie mir der Name des neuen Dampfers gefällt. Haben wir denn rund um den Ammersee keinen “freien” Ortsnamen mehr übrig? Ich als gebürtiger St.Georgener und jetzt wohnhafter Riederauer hätte für einen der beiden Namen plädiert.

  2. -Zap- on März 28th, 2008 22:48

    Und … Noi, mia han´d koine Schwoaba it.

  3. Ammersee - Dampfer - Augsburg « obacht! on März 28th, 2008 23:22

    […] meiner engsten Freunde hat dazu beim “moosblogger” ebenfalls einen Artikel […]

  4. Hannes Sander on März 29th, 2008 10:49

    “Augsburger Meer” ist doch schon mal ein “Vermarktungs- und PR-Ansatz” ;-) … – Warum soll auf dem Ammersee nicht ein Dampfer “Ausgsburg” schippern??? Wenn sich die Augschburger damit besonders angesprochen fühlen und den Pott bevölkern – her damit!
    @sugar: Bist Du Dir sicher, dass man nur in Herrsching solche – ich sag mal “unvorteilhaften” – Bemerkungen zu auswärtigen Gästen zu hören kriegt? – Auch wenn ich mich wiederhole: Der “Ammersee”, “Bauernsee”, von mir aus auch das “Augsburger Meer”, braucht eine professionelle Vermarktung. Als “5. Rad am Wagen” in irgend einem komischen Verband wird das nie was.

  5. Sugar Ray on März 29th, 2008 13:51

    @ Hannes: Du bekommst quasi auf der ganzen Welt “unvorteilhafte Bemerkungen zu auswärtigen Gästen”… :-)

    Mal mehr mal weniger. Im Falle Diessens und Augsburgs sinds nach m.E. meistens “vergleichsweise weniger” (Wenn nicht gerade Sommerhochsaison ist)

    Marketing is immer gut (wenn’s gut und zielorientiert gemacht ist!) Mit den Verbänden und was die so machen, kenn ich mich leider nicht aus…

  6. Sugar Ray on März 29th, 2008 14:16

    @ Zappi:
    vielen Dank für die Blumen :-)

    Aber “St. Georgen” geht ja gar ned. Des liegt ja genauso wenig am See wie Augsburg!

  7. -Zap- on März 29th, 2008 19:01

    Wie wärs denn mit einem Deal mit den Stegstreckern? Wenn wir den Dampfer “Raisting” nennen und im Gegenzug dafür die Gewerbesteuereinnahmen der ursprünglichen Dießner Firmen bekommen, ist doch allen geholfen. :)

    @ Ray: Wenn die Hanni 2. Bürgermeisterin wird, dann heisst der Dampfer eh “Dettenhofen”. ;)

  8. Karin ammersee-region on März 30th, 2008 12:43

    Namen der Ammersee-Schiffe (heute):
    Herrsching
    Dießen
    Utting
    Schondorf
    Andechs (fährt nicht mehr, liegt. Ist Heimat des Uttinger Segelclubs).
    Es gab früher eine “Augsburg”, das ist richtig.
    Richtig ist auch, dass heute die fahrplanmäßig verkehrenden Schiffe Namen von Ammersee-Uferorten ((noch) nicht: Ortsteilen) tragen.

    Unrichtig ist, dass sich Ost- und Westufer “spinnefeind” sind: Ich beobachte die Ergebnisse der Abstimmung zum Namen für das neue Schiff (www.ammersee-region.de) und die E-Mails, die zum Thema kommen. Zwischen Ammersee-Ost- und Westufer lässt die Umfrage aktuell keinen Trend zur Feindschaft erkennen. Eher das Gegenteil.

    Im Moment liegt in der Gunst der Besucher der Name “Inning” vorn (immerhin ist der Inninger Ortsteil Stegen Heimathafen aller Ammersee-Schiffe) – macht also Sinn.

    Bin gespannt, wie es weitergeht!

  9. Hannes Sander on März 31st, 2008 08:19

    Abstimmung zum Namen?! – Wurde dazu abgestimmt? Wo und wann von wem? – Ich hätte übrigens “Windermere” als Name vorgeschlagen, man hätte mich bloß mal fragen sollen ;-) . Es gibt seit 10 Jahren eine Partnerschaft Diessen-Windermere (am Lake Windermere in Nordwestengland) und einen “Freundeskreis Ammersee Windermere e.V.
    Dass nach jedem Uferort ein Dampfer benannt wird, dürfte sich auch auf lange Sicht nicht realisieren lassen.

  10. -Zap- on März 31st, 2008 12:56

    “Windermere” – super Idee!

  11. Karin ammersee-region on März 31st, 2008 22:37

    Ja, schöne Idee “Windermere” – aber: Wenn schon nicht jeder Uferort (es fehlen nur noch Eching und Inning) “sein” Schiff bekommen kann, wird’s dann mit den Partnerorten nicht erst recht eng?

    Abgestimmt wird seit 28.3. auf der Startseite der http://www.ammersee-region.de. Eingeladen sind Anwohner, Nachbarn und Freunde des Ammersees – einfach weil uns deren Meinung interessiert.

    Von offizieller Seite wurde m.W. keine Befragung durchgeführt – zumindest nicht öffentlich.

    Unser neues Ammersee-Schiff ist zwar weiß, doch weder rund noch knuffig – halt a Schiff und koa Eisbär *g*. Das wird der Grund sein… Außerdem: Wollen wir ein Schiff, dass “Flocke” heißt – oder gar Berlin? (Knut scheidet aus, da Schiffe für mich weiblich sind).

    Eine offizielle, öffentliche (und öffentlichkeitswirksame) Abstimmung hätte Sympathie UND/ABER (evtl.) ein weit eigenartigeres Ergebnis gebracht als “Augsburg”, die Stadt, deren Sommerfrischler (wie Brecht) schon seit mehr als 100 Jahren den See besuchen und lieben.

    “Augsburg” passt als Name imho nicht sooo gut in die Reihe der Schwesterschiffe Dießen, Herrsching, Schondorf, Utting (Reihenfolge alphabetisch, nicht wertend *g*).

    Wenn’ soch passen soll/muss liegt evtl. eine “Bahnhofslogik zu Grunde” und das nächste Schiff müsste “München” heißen – nach der Heimat der Besucher, die aus der S5 in Herrsching steigen.

    Und Eching und Inning: Sie haben keinen Bahnhof, kriegen also auch keine Schiffpatenschaft… Punkt. Oder Fragezeigen?

  12. Anni Sander on April 2nd, 2008 11:43

    Als ehemalige Wahl-Engländerin bin ich natürlich voll und ganz für den Vorschlag Windermere!!!

    Und bei so vielen Schiffen, wie sie auf dem Windermere verkehren wäre es bestimmet auch möglich eines Ammersee zu nennen ;)