Der Wahlkampf neigt sich seinem Ende zu. (Schade! und Zum Glück!) Aber zum Schluss wird es hier und da noch mal etwas rührig; in Gasthäusern, vor Sparkassen, im MOOSBLOGGER (!!) und sogar in sonst drögeren Bauausschusssitzungen.

Normalerweise spielt das dramatische Geschehen im Bauausschuss im heimatlichen Blätterwald nicht die übergroße Geige. Anders dieser Tage. Am letzten Montag präsentierte, wie hernach Riesenlettern der Lokalpresse zu entnehmen war, der Bürgermeister dem Bauausschuss einen von ihm frisch ersteigerten Keramik-Krug als 300 Jahre alten Glücksfall für die keramikwissenschaftliche Forschung. Der Fayence-Krug soll 1684 vielleicht auf dem Hafner-Grundstück am Kirchsteig entstanden sein, wo heute die “Lösche-Dynastie” (LT) ansässig ist. Die Lösches haben lt. Zeitungsberichten den Krug auch im Auftrag des Münchner Auktionshauses Vogt vor etwa zwei Wochen begutachtet und als “original Diessener Stück” ausgemacht.

Nachdem das LT auch über 18.000 EUR als Kaufpreis geschrieben hatte, der sich im “bewilligten Rahmen” bewegt haben soll, habe ich daraufhin beim Bürgermeister nachgefragt. Zwar nicht per Mail ( ;-) ) aber doch per Rückruf gab er umgehend Auskunft: Demnach hatte Bgmstr. Kirsch den Gemeinderat in der letzten Sitzung, im nicht-öffentlichen Teil, von der bevorstehenden Auktion informiert und dort den finanziellen Rahmen genehmigt bekommen, zumal er dort schon auf zugesagte fünfstellige Sponsorengelder habe verweisen können. In unserem Telefonat am Mittwoch erklärte er sogar, nach weiteren Zusagen von Sponsorengeldern bleibe nun nur noch ein “sehr geringer Betrag” für die Gemeindekasse zu zahlen. – Den genauen Betrag wird es ja mal im öffentlichen Teil geben müssen, zumal 18.000 EUR für manche Einrichtung im Ort KEIN Peanuts sind.

Bleibt schließlich die Frage, wohin mit derlei “Schätzen”? – Eine Rathausvitrine, dort soll der Krug der Öffentlichkeit präsentiert werden, über eine Präsentation an anderer Stelle zum Töpfermarkt wird nachgedacht, ist sicher nicht die schlechteste Zwischenlösung. Bis sich Diessen irgendwann einmal zu einer attraktiven Lösung für derlei zeigenswerte Dinge durchgerungen hat. Ein “Haus der 5 Seen” z.B. war ja mal im Gespräch; dem neuen Gemeinderat erkläre ich die Idee gerne noch einmal!  

Website Pin Facebook Twitter Myspace Friendfeed Technorati del.icio.us Digg Google StumbleUpon Premium Responsive

Kommentare

3 Kommentare zu “Just-in-time Rückkehrer: Der Krug”

  1. Zeitgenosse on Februar 29th, 2008 11:36

    Wenn man sich die hymnische Print-Berichterstattung anschaut, dann scheint Dießen kurz davor zu stehen, zum Weltkulturerbe erklärt zu werden.

    Aber im Ernst: Für solche Investitionen sollte man, bei allem Respekt vor den hiesigen Kunsthandwerkern, nur dann unsere STEUERGELDER verwenden, wenn man seine sonstigen Aufgaben erfüllt hat. Und das ist ja offenkundig nicht der Fall: Denn es gibt den einen oder anderen Kindergarten, die Jugendeinrichtung oder Schule, die dieses Geld hätte sehr gut gebrauchen können (das sollten auch die werten Sponsoren mal bedenken: Investieren in die Zukunft!).

    Auch bemerkenswert: Die Kohle wurde mal wieder „nicht-öffentlich“ abgenickt…

    So erscheint es doch eher als eine Privatfreude des amtierenden Bürgermeisters, der sich das Krüglein ins Rathaus stellen will.

  2. Anni Sander on März 1st, 2008 01:08

    Neidisch? ;)

    So viel Geld ist natürlich äußerst grenzwertig für einen solchen Verwendungszweck. Aber die Politiker in Berlin machen es ja vor. Wer mal einen genauen Blick in den Bundestag werfen konnte, weiß wovon ich spreche.

    Aber die Frage ist ja auch, was wäre sonst mit der Kruke passiert? In privaten Besitz abgetaucht und ward nie mehr gesehen?

  3. Zeitgenosse on März 2nd, 2008 23:27

    Ach nö, Neid ist mir wesenfremd.

    Ich finde es nur schade, wie Ressourcen und Potenziale verschleudert werden.

    Wird ein Mensch mehr das Rathaus aufsuchen, nur weil dort ein alter Krug steht? Das ist doch einmal mehr Ausweis eines fehlenden Konzepts…