Dez
9
SZ 0.0
abgelegt von Hannes Sander in Übrigens....
Gestern abend haben viele mal 5 min das Licht ausgeknipst; ein Signal, Ressourcen zu schonen. Auch bei uns brannten ein paar Kerzen, meine Lektüre der Wochenend-SZ war kurz unterbrochen. Zeit zur Besinnung. Die brauchte ich auch, nachdem ich “Web 0.0″, die Titelgeschichte von SZ WOCHENENDE, gelesen habe. Als das Licht wieder brennt lese ich den “Riemen” in dem Papierhaufen noch mal. Wer es über die Hälfte des Beitrages geschafft hat, findet dann doch noch Relativierungen einer zuvor erschlagenden Kritik am Web 2.0: DAS Internet gäbe es nicht; es gäbe dort hervorragende Expertenzirkel und phantastische Communities mit hoher Sachkenntnis. – Das geht ja runter wie Öl, nach dem Eröffnunsgemetzel á la im Web würde “jedes Thema oft anonym, noch öfter von keiner Sachkenntnis getrübt zerfledderd”. Man findet auch die Gretchenfrage, ob man dem “unter dem Mantel des Web 2.0 rumorenden Plebiszit die Zukunft anvertrauen möchte”.
Zentrales Thema dieses “Plädoyers für eine Wissensgesellschaft mit Verantwortung” ist für mich aber die “Erosion der Autorität”, der Macht von Tageszeitungen und Magazinen. Wir sind wieder bei der seit Wochen heftig geführten Diskussion “‘Qualitätsjournalismus’ vs. Web 2.0″. Was sollen, dürfen die Menschen “für bare Münze nehmen”? – Der SZ-Autor warnt vor “ergoogeltem Wissen”. Soll man also das Gedruckte für bare Münze nehmen? Immer? Unkritisch? Warum? – In der Blogosphere wird auch dieser neuerliche Anlauf der Web-2.0-kritischen Papiertiger natürlich lustvoll kommentiert. In Basic Thinking Blog (ein kompetentes und nicht anonymes Leitblog) werden drastische Worte gefunden: “… je höher der schreibende Pressefutzi, desto größer die Blasiertheit und der Glauben an die eigenen Wunderkräfte. … Es gibt viel zu wenig Ausnahmen von noch auf dem Boden gebliebener Presseleute. Kommt zurück auf den Boden der Tatsachen, windet Euch im Staub und zeigt Bescheidenheit. Dann habe auch ich wieder einen Grund, Eure Leistung zu respektieren. ...”, heißt es dort unter anderem. - Ich kenne und achte viele Journalisten, die eine hervorragende und elementar wichtige Arbeit unter zunehmend schwierigen Bedingungen leisten. Und immer mehr von ihnen erkennen die Leistung von Web-2.0-Idealisten an, greifen auf deren Themen und Thesen zurück. Es gibt sehr wohl “Qualitätsblogs”!
Übrigens hängen Autoritäts- und Umsatzerosion meiner Meinung nach eng zusammen: dieser Tage las ich Prognosen, die Anzeigenerlöse der Printmedien würden in den nächsten Jahren auf ein Drittel zusammenschmelzen, großteils zugunsten der Online-Werbung. Verständlich, dass da aufgeregter diskutiert wird. Man wird sich mehr einfallen lassen müssen, als über “Debattierclubs von Anonymen, Ahnungslosen und Dennunzianten” zu wettern.







Natürlich muss einem der Münzen-Aspekt des Web2.0 bewusst sein, damit man dieses effektiv und sinnvoll nutzen kann. Nicht alles, was schwarz auf weiß steht, egal ob auf Papier oder Bildschirm, ist vollkommen. Dieser kritische Blick sollte allerdings eine generelle Grundlage für jeden Leser jeder Art sein.
Im Web 2.0 haben sich allerdings seit dieser Diskussion einige Besserungen getan. Wikipedia ist zB mittlerweile als sehr zuverlässig auch von Expertengremien eingestuft worden. Das heißt natürlich nicht, dass man ihm blind vertrauen sollte!
Bezüglich Anonymität: Es ist wiederum verständlich, dass viel Nutzer unerkannt bleiben wollen in Zeiten, in denen auch immer mehr personaler, Fahnder uÄ im Web 2.0 nach Infos über Personen stöbern.
Anonymität: Hast vielleicht recht mit Deinen Argumenten dafür. Dagegen aus Admin-Sicht spricht: Ich muss, um als Blogger im “sicheren Bereich” zu sein, sogar ein komplettes Impressum haben, während sich mancher Kommentierer lieber versteckt. Und das schon bei ganz “harmlosen”, alltäglichen Diskussionen, die eigentlich nur Courage brauchen. – Es gibt pro & con …