Heute abend war regionales LEADER-Arbeitskreistreffen in Pähl. Die Zeit drängt, das regionale Entwicklungskonzept muss ziemlich rasch zusammengeflickt werden. 

Man trifft in diesen Runden interessante Leute mit Träumen, die sich tatsächlich noch etwas Neues vorzustellen wagen. Das finde ich toll! – Übrigens: In der einleitenden Runde stellte jemand im Plenum eine Frage, die mich aufhorchen ließ: “Ist denn nun Diessen bei LEADER eigentlich dabei, oder nicht?” Man höre so verschiedene Sachen… – Ich habe mich mit ein paar anderen als Diessener geoutet… Interessant ist es schon, wie das hiesige flammende Engagement für LEADER andernorts wahrgenommen wird.

Kloster Hundescheisse unerwuenscht 

Als Bewohner der “st. albanischen” Teilrepublik Diessens stechen mir bei meinen Streifzügen ums Haus die unübersehbar zahlreichen Hundeverbotszeichen an Zäunen, Pfählen, Bäumen und Türen ins Auge. Besser als jeder Wanderweg im Geviert ist der Ortsdurchgang mit diesen Zeichen markiert; vermutlich dort, wo zuvor die lieben Vierbeiner emsig markiert hatten. – Die Ansage ist eindeutig: “Hundescheiße unerwünscht” liest man hier, einer Demo gleich reihen sich die Schildchen meilenweit aneinader.

Allerdings sollte bedacht werden; die bellenden Un-Lieblinge machen nicht nur Häufchen am Wegesrand, sie füllen auch die Gemeindekasse (mit “Peanuts”): 19.000 EUR Hundesteuer sind für 2007 geplant. In 2006 wurden gar 19.320 EUR Ergebnis ausgewiesen. – Ob der erwartete schmerzliche Rückgang um 320 EUR in diesem Jahr auf die deutlichen Zeichen der Abneigung zurückzuführen ist?

(Nicht, dass St. Alban die Gemeindefinanzen zerrüttet… ;-) )

Die diesjährige Bürgerversammlung der Marktgemeinde Diessen am gestrigen Donnerstagabend hat eines bestätigt: sie tun richtig gut.

Der Bürgermeister spulte souverän sein Zahlentableau herunter, das die Überschrift “Wesentliche Daten des Haushaltsplanes 2007 im Vergleich zum Haushaltsplan und dem Ergebnis des Jahres 2006″ trägt. (Das Ding heißt wirklich so.) Andächtig lauschten die wohl hundert Zuhörer der Lesung; einige Gemeinderäte mit Familienangehörigen, flankiert von einer Reihe von “Stammgästen”, wie sie der Bürgermeister treffend begrüßte. Ein Jahr vor den Kommunalwahlen konnte die Bürgerversammlung nur einen harten Kern der Diessener Bevölkerung ins “3 Rosen” locken. Man war unter sich; ganz ähnlich wie in den hiesigen Gemeinderatssitzungen…

Was sind nun meine neuen Erkenntnisse dieses Abends? – Dass Friedhofsmauern mehr Diskussionsfreude bei den Zuhörern wecken als konkrete Jahres-Ziele eines Bürgermeisters? Dass ab April wieder eine kommunale Verkehrsüberwachung das Gemeindesäckel füllen soll? Dass die Gemeinde schon ”potenzielle” Investoren für die Finanzierung ihrer Geothermie-Pläne an der Hand haben will? (Welcher Pläne eigentlich?) Dass der Gemeinderat doch “nichts zu verbergen” hat, selbst wenn er 2006 zwei Drittel seiner Tagesordnungspunkte im nicht-öffentlichen Teil behandelte? - Nein. Meine gelernte Lektion ist diese: Bei einem Haushaltsvolumen von 15 Mio. EUR sind 10.000 EUR Peanuts, um die man nicht “rumtun” muss! – So jedenfalls hatte der Chef der hiesigen Bürgermeister-Gruppierung die Nachfrage aus dem Auditorium zu den präsentierten Verlustzahlen des letztjährigen Töpfermarktes abgebügelt. - OK: ”Peanuts” hat nun auch in Diessen eine Größenordnung bekommen (und die fällt im Vergleich zur Deutschen Bank ziemlich bescheiden aus). Man wird gerne darauf zurück kommen.

Klingt alles irgendwie nicht so spannend, hat die Bürgerversammlung 2007 denn rein gar nichts gebracht? – Weit gefehlt!! : Einen Tag vor der Bürgerversammlung ist der Bebauungsplanentwurf für das Gewerbegebiet Romenthal durch die Gemeinde bekannt gegeben worden. Dieser kann nun im Rathaus bis zum 3. Mai 2007 eingesehen werden. - Just in time, im Jahr 6 nach Erwerb des Grundstückes durch die Gemeinde…! – Und, genau am Morgen jenes Tages, an dem die Bürgerversammlung stattfand, war ein anderer Dauerbrenner gelöscht worden: Laut Bürgermeister ist die Markthalle nun ”besenrein” geräumt und kann vom Marktverein – wie für letzten Juli vereinbart – genutzt werden.

Ein Vorschlag: Wenn wir nun alle sechs Monate eine Bürgerversammlung machten, hätten wir viel öfter Anlass, die längst fällige Umsetzung von Vorhaben zu vermelden. - Bürgerversammlungen tun gut!

Bruch Stranbad

Obwohl die Sonne kräftig scheint, bleibt das Strandbad St. Alban noch geschlossen. Der Wind weht hier winterlich kalt über den Ammersee und auf der Liegewiese lümmeln sich noch die Sturmschäden von Kyrill herum. Bedauerlich, dass wohl weitere, schwer beschädigte Bäume der Motorsäge zum Opfer fallen werden. – Dennoch, die neue, helle Übderdachung der Terrasse und die wärmenden Sonnestrahlen im Windschatten lassen schon jetzt Freude auf die hoffentlich bald beginnende Strandbad-Saison aufkommen! 

Gestern abend hatte ich ins “Gasthaus am Sportplatz” die Vorstände der Gewerbeverbände der LEADER-Region Ammersee eingeladen. Dießen und Herrsching waren persönlich, Utting mit einer Nachricht vertreten. Gekommen war auch der Grafrather Unternehmer und Gemeinderat Stöppel, Grafrath wird nächste Woche noch einmal über eine Teilnahme am LEADER abstimmen.

In unserer 7-köpfigen Runde ging es um gemeinsame Projekte der BdS/DGV-Ortsverbände, die in ein Regionales Entwicklungskonzept aufgenommen werden könnten. Natürlich wurde schnell klar: Es gibt – bei allem Wettbewerb zwischen den einzelnen Orten – viele gemeinsame Interessen und es gibt keine Berührungsängste gemeinschaftlich an der Verwirklichung der Ideen zu arbeiten. Und: Wenn die Gewerbeverbände von wirtschaftlicher Entwicklung sprechen steht das Thema Tourismus im Mittelpunkt.

8 Projektideen waren am Ende des Gedankenaustausches notiert:

1. Geschlossenes Fuß- und Radwanderwegenetz um den Ammersee: Das Netz ist auszubauen und zu schließen; es soll einheitlich beschildert und gemeinschaftlich vermarktet werden. Spezielle Themen-Wege sollen dabei eingerichtet werden, z.B. zu Themen wie Kunst/Künstler, botanische oder auch geologische Sehenswürdigkeiten.

2. Ein zentrales Ammersee-Web-Portal als Dach der bestehenden Internetpräsenzen sollte entwickelt werden. 

3. Ein Verkehrskonzept zur touristischen Entwicklung soll eine Touristenbus-Linie um den Ammersee anbieten, die nach dem Vorbild der englischen Partnerregion Lake District einzelne Attraktionen sowie Orte der Region verbindet.

4. In diesem Verkehrskonzept soll auch eine Fährverbindung Dießen und Wartaweil geplant werden. Diese früher existierende Verbindung soll traditionelle Wege wie den “Apotheker-Weg” wiederbeleben und Radfahrern Alternativen zur Befahrung der radlerfeindlichen Birkenallee am Ammersee-Südufer bieten.

5. Die Gewerbeverbände sollen sich für die Schaffung eines “Ammersee-Gütesiegels” für Betriebe aus Gastroniomie, Hotellerie, Einzelhandel, Handwerk einsetzen. Damit soll ein hohes Qualitätsbewusstsein geschaffen, Kunden eine bessere Orientierung im breiten Angebot ermöglicht und schließlich der “Ammersee als Marke” entwickelt werden.

6. Die Ortsverbände engagieren sich in der Initiative “Azubi-Akademie Ammersee-Lech“, die von den Ortsverbänden Ammersee-Nordwest und Landsberg bereits erfolgreich entwickelt wird. Ziel sind mehr Lehrstellen, die Bindung der Jugendlichen an ihre Heimatregion und die Stärkung und Vernetzung heimischer Betriebe.  

7. Die Idee von der “Hochzeitsregion Ammersee” soll tatkräftig unterstütz werden.

8. Für die Entwicklung neuer spezifischer touristischer Angebote soll das “Historische Dreieck Grafrath – Diessen – Andechs” stärker genutzt werden.

Ich meine, diese acht Ideen sind interessant, aussichtsreich und anspruchsvoll. Es lohnt sich sicher, diese Gedanken nun zu vertiefen, in den Entwurf des Regionalen Entwicklungskonzepts einzubringen und dann schließlich zu verwirklichen.

Ein weiterer, in unserer konstruktiven Runde geäußerter Gedanke lässt übrigens sehr für die Zukunft hoffen: Auch wenn die LEADER-Bewerbung der Region scheitern sollte, sollten die Gewerbeverbände dennoch künftig enger zusammenarbeiten. – Das ist die wahre LEADER-Denke!

Am Montagabend ist im Ortsteil Riederau die erste der diesjährigen Bürgerversammlungen über die Bühne gegangen. Wie die Heimatzeitung LT berichtet, ging es beschaulich zu. Ein Mitbürger, der meinte zu viel Grundsteuer zu bezahlen, wird mit seinem Appell an den Bürgermeister zitiert, die Gemeinde solle das tun, was die Bürger auch täten, nämlich sparen. – Sparappelle kommen immer gut, und die Plattitüde “Geiz ist geil” wird natürlich nicht hinterfragt. Wir sparen uns reich – oder tot?

Bürgermeister Kirsch soll auch erwidert haben, es komme darauf an, was die Gemeinde biete. Das ist auch richtig. Und die Gemeinde Diessen hat einiges zu bieten, z.B. eine ganze Bandbreite an Schulen, ein reiches kulturelles Leben. - Soll hier wirklich gespart werden?

Ich glaube, Ausgaben und Einnahmen müssen ausbalanciert sein. Um uns die zumeist vernünftigen Ausgaben leisten zu können, müssen entsprechende Einnahmen da sein. Das ist der Knackpunkt! Hier sollte der Hebel angesetzt werden: Wie kann die Einnahmenseite verbessert werden? Wie organisiert man als Gemeinde organisches Wachstum? - Kreativität und Entschlusskraft sind gefragt. Ewige Sparkommissare halten Diessen auf dem Holzweg.

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