Die Lokalpresse thematisiert den Jahresbericht des Diessener Jugendtreff-Leiters, Ralf Kleeblatt. Anlass zu einigen Nachfragen bei der Vorsitzenden des Diessener Jugendbeirates, Anni Sander.
Anni Sander 
 
Anni, Herr Kleeblatt hat der Presse über die Arbeit des Jugendtreffs berichtet und dabei auch Jugendbeirat und den Jugendrat des Jugendzentrums beurteilt. Hast du das mitbekommen?
 
Lustiger Weise habe ich von dem Bericht erst durch meine Eltern erfahren. Die hatten es in der Zeitung gelesen. – Es ist schon seltsam, dass wir im Bericht erwähnt werden, aber nicht mal direkt davon erfahren, bzw. überhaupt mit einbezogen werden. Wir konnten doch gar nicht Dinge mit einfließen lassen, die wir außerhalb des JuZe geleistet haben. So ist der Bericht nur der subjektive Eindruck von Ralf Kleeblatt.
 
 
Jugendbeirat und Jugendrat kommen im Jahresbericht gleichermaßen schlecht weg. Man liest Passivität, ja Desinteresse heraus.
 
Von Desinteresse kann keine Rede sein. Wir sind ein gewähltes Gremium, das die Interessen der Jugendlichen vertreten will. Ralf redet in seinem Bericht davon, dass wir es nie fertig gebracht haben, eine längere Öffnung des JuZe durchzuführen und hält das für ein Beispiel von Desinteresse. Dass das gar nicht zu unseren Aufgaben gehört, erfährt niemand. Wir haben die vergangenen zwei Jahre vergeblich darauf gewartet, dass sich der Gemeinderat einmal bei uns meldet und uns in Jugendfragen mit einbindet.
 
 
Worauf habt ihr denn gewartet, dass der Gemeinderat auf euch zugehen sollte?
 
Z.B. wäre es schön gewesen, wenn sie unsere Meinung zum Thema Ammerseegymnasium eingeholt hätten. Immerhin vertreten wir diejenigen, die diese Schule jetzt besuchen! Die Gemeinde plant außerdem schon seit langem Sondersitzungen zum Thema Vandalismus in den Seeanlagen, aber wirklich etwas Konkretes gehört haben noch nicht von ihnen.
 
 
Hat der Jugendbeirat außer auf den Gemeinderat vergeblich zu warten noch irgend etwas anderes geleistet?
 
Um ganz ehrlich zu sein haben wir es im Jahr 2006 nicht einmal geschafft eine Vollversammlung abzuhalten. Meine Stellvertreterin Nadja Golder und ich haben mehrfach vergebens versucht ein Treffen zu organisieren. – Doch Ende 2005 und auch noch Anfang des letzten Jahres hatten wir es geschafft einen Kondomautomaten am JuZe mit Hilfe von Spendengeldern aufzuhängen. Im Spätsommer 2005 hatten wir auch die einzige Podiumsdiskussion im Wahlkreis organisiert, an der fast alle Direktkandidaten teilgenommen haben. – Und wir hatten im Diessener KundenBeirat bei der Ermittlung des Diessener KundenPreis-Trägers mitgearbeitet. Dieses Gremium existierte 2006 leider nicht mehr.
 
 
Warum ist es dem Jugendbeirat so schwer gefallen, mehr auf die Beine zu stellen?
 
Naja, junge Leute führen eben doch kein stetiges Leben. Zwei Beiratsmitglieder sind im letzten Jahr umgezogen. Einer fährt regelmäßig Spätschichten für das Rote Kreuz. Ein anderer hat gerade seine Gesellenprüfung bestanden. Und zwei arbeiten auf ihr Abitur zu. – Man sieht also, das Leben des Jugendbeirats ist alles andere als ruhig. Trotzdem sollte man meinen, dass die Leute trotz allem Zeit finden sollten, sich ihrer Verantwortung zu stellen. Und ja, wie ich bereits angedeutet habe, hatten wir mehre Versuche unternommen, aber manche nehmen ihre Aufgaben eben nicht so ernst wie andere.
 
 
Wo sieht denn der Jugendbeirat Handlungsbedarf und Tätigkeitsfelder in Diessen?
 
Ich kann natürlich nicht für alle Mitglieder sprechen, aber ich persönlich halte es für wichtig Jugendlichen Möglichkeiten zu bieten sich in der Gemeinde einzubringen und sich hier am Ort auch zu amüsieren. Ich könnte mir z.B. vorstellen Flächen für Sprayer zur Verfügung zu stellen, und einen Wettbewerb zu veranstalten. Auch finde ich es wichtig junge Menschen bei ihrer Zukunftsplanung zu unterstützen. Hier könnte man Workshops anbieten, oder Informationsveranstaltungen organisieren. Es gibt vieles, was man tun kann. Mit etwas Fantasie… Außerdem können Jugendliche jederzeit mit Wünschen und Anregungen an uns herantreten!
 
 
Du machst jetzt das Abitur, deine Stellvertreterin besucht die 12. Klasse – im April soll ein neuer Jugendbeirat gewählt werden. Welche Lehren kannst du aus deiner Amtszeit ziehen und deinen Nachfolgern mit auf den Weg geben?
 
Auf jeden Fall sollte man immer einen guten Kontakt zum Gemeinderat pflegen. Genauso wie „nach oben“ sozusagen sollte man auch „nach unten“ einen guten Eindruck machen. Es ist ganz wichtig, dass das Image des Jugendbeirates mal ein wenig aufpoliert wird. Die Jugendlichen müssen das Gefühl haben, eine Stimme zu haben und gegebenenfalls etwas ausrichten zu können, wenn ihnen was nicht passt. – Ein Bericht wie der von Ralf Kleeblatt ist da natürlich keine Hilfe.

Kommentare

1 Kommentar zu “Diessener Jugendbeirat: Von “null Bock” keine Rede”

  1. Jugendtreff on Februar 15th, 2007 14:29

    Wenn der Vater bei der Tochter „nachfragt“……..einige Anmerkungen dazu:

    Dass Anni Sander (…lustiger Weise….) erst von ihrem Vater (Hannes Sander) erfahren hat, dass ich dem Jugendbeirat (JBR) in meinem Jahresbericht einen kurzen Absatz gewidmet hatte, ist wenig verwunderlich. Der Dießener Jugendbeirat ist inhaltlich und auch räumlich ganz nah an den Dießener Jugendtreff angesiedelt (fachliche Unterstützung und Schlüsselgewalt für den Jugendtreff, um sich jederzeit treffen zu können). Leider hat der Jugendbeirat im Jahr 2006 nicht von der Schlüsselgewalt gebrauch gemacht. Anni Sander hätte sich jederzeit in den Jahresbericht einbringen können, wenn sie es nur gewollt hätte. Von daher, ihr ….lustiger Weise…… ist überhaupt nicht so lustig!
    Einige Anmerkungen sollen das Kapitel Jugendbeirat abschließen:
    Anni Sander moniert, dass sich der Gemeinderat in den vergangenen zwei Jahren nicht beim Jugendbeirat gemeldet hätte. Welch fundamentale Unwissenheit und Fehleinschätzung. Unser Bürgermeister sowie ein Gemeinderatmitglied sind beratende Mitglieder im Jugendbeirat. D. h. der Jugendbeirat ist (genauso wie beim Jugendtreff) ganz nah am Gemeinderat dran. Lediglich zu einer Sitzung hätte eingeladen werden müssen um den Stein ins rollen zu bringen, was aber bekennender Weise nicht geschehen ist.
    Anni Sander als Vorsitzende kritisiert das fehlende Interesse der anderen JBR Mitglieder an der eigenen Arbeit („Naja, junge Leute führen eben doch kein stetiges Leben.“). Als Vorsitzende ist es (auch) ihre Aufgabe “vorzuarbeiten“ und nicht, wenn andere Mitglieder nichts machen (können) schmollend dem gleichzutun. Niemand hätte Anni Sander daran gehindert, Ideen und Aktivitäten zu entwickeln und gemeinsam mit dem Bürgermeister (für den Gemeinderat) und mir umzusetzen.
    Im Rathaus der Marktgemeinde befindet sich ein Briefkasten des JBR (mittlerweile ist er hinter einem Info-Bord versteckt). Der Briefkasten war als Kummer- und Anregungskasten der Dießener Jugendlichen an die Adresse des Jugendbeirats gedacht. Meines Wissens sucht der JBR seit zwei Jahren den Schlüssel für den Briefkasten, ohne ihn bis zum heutigen Tag gefunden zu haben. Am Briefkasten selber befindet sich noch immer die Telefonnummer der JBR -Vorsitzenden der Wahlperiode 2001 bis 2003. Liebe Anni Sander, auf die Kleinigkeiten kommt es an.
    Die JBR Mitglieder sind unter http://diessen.de/jugendbeirat.html namentlich, samt Tel. Nr. und Email Adresse genannt. Verschiedene Anschriften und Rufnummern sind nicht mehr aktuell. Warum wird so etwas nicht im Sinne des eigenen Anspruchs an die JBR Arbeit aktualisiert (ein JBR der nur bedingt für die Dießener Jugendlichen erreichbar ist)? Lässt sich im Übrigen von zu Hause aus erledigen.
    Die Amtszeit des jetzigen JBR läuft im März aus. Das Kassenbuch ist immer noch namentlich auf ein Mitglied des vorherigen JBR geschrieben. Der jetzige JBR besitzt somit nichtmal Zugang zu den eigenen Finanzmitteln.
    Tja, es ließe sich weiteres auflisten………………….Statt Reinwaschung wäre etwas mehr Selbstkritik angebracht. Nun ja, wie in meinem Jahresbericht nachzulesen, es bleibt die Hoffnung auf den neu zu wählenden JBR.

    Ralf Kleeblatt

 

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